Christian Gizewski, Dr. (phil.), Prof. für Alte und Allgemeingeschichte an der Fakultät I - Geisteswissenschaften - der TU Berlin, Rechtsanwalt ohne Kanzlei, Adresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin, Tel. und AB: 030-8337810 EP: christian.gizewski@tu-berlin.de,WWWSeite:http://agiw.fak1.tu-berlin.de

AN DIE NACHBARN.

Die Wohnung ist ein Teil der Heimat. Niemanden, erst recht nicht einen 75 Jahre alten Menschen, vertreibt man anständigerweise daraus. Am 7. Oktoberr 2016 soll jedoch gegen mich ein Wohnungsräumungsurteil vollstreckt werden. Seit 1965 habe ich in der Dachgeschoßwohnung Tietzenweg 98 gelebt - 38 Jahre bis zum Tode meiner Frau, einer bei ihren Schülern beliebten Kunstpädagogin an der Goethe-Oberschule, dann, von 2003 bis heute, 13 Jahre allein. Meine Frau ist auf dem nahegelegenen Parkfriedhof Lichterfelde begraben.

Schon in den 1960er Jahren haben wir uns mit vielen anderen Lichterfeldern für die Erhaltung der Gartenstadt Lichterfelde und gegen die schon damals vorhandene Grundstückspekulation in Lichterfelde zusammengetan, wie Sie im Heimatmuseum an der Drakestr. 54 A nachsehen können. Der größere Teil von uns waren damals Mieter. Wir konnten die Einrichtung eines 'geschützten Baubereichs' erreichen. Dafür, daß wir nun als Mieter in Lichterfelde von einem Schwarm 'professioneller Mietenmarkt-Profiteure' verdrängt werden?

Diese haben, kurz gesprochen, nur ein Ziel: über die - sowieso schon rechtlich angreifbaren - 'Mietspiegel'-Grenzen hinausgehend zu kriegen, was sie kriegen können. Sie finden Unterstützung bei Gerichten, welche, kurz gesprochen, meinen, ein Grundstücks-Privateigentümer müsse mit seinem Eigentum an Mietwohnungen nach Belieben verfahren können. In diesem Sinne sind auch 'Entmietungs'-Rechtsanwälte rührig, welche mit skrupellosem Tun übermäßige Gebühren kriegen.

Die 'Mieterstadt Berlin' ist nicht nur eine 'Mietpreisexplosions-', sondern vor allem eine 'Mieterausbeutungs-Stadt' - ganz Berlin und besonders 'begehrte' Ortsteile wie Lichterfelde. Ich zum Beispiel sollte nach der Vorstellung eines derzeitigen 'professionellen' Vermieters statt bisher 790,- EUR über 1000,- EUR im Monat zahlen. - Wie schön, daß die letzten Berliner Wahlen solchen Gewohnheiten entgegen die Bedeutung einer strikt sozialen und nicht nur verbalen Mietpeisregulierung für die Wählerzustimmung aus der Mieter-Bevölkerung gezeigt haben. - Unabhägig von Wahlterminen können ungerecht und unsozial behandelte Normalmieter auch öfters, als es möglich scheint, die Verfassungsbeschwerde nutzen. Grundsätzlich kostet sie nichts und man bedarf keines Anwalts.

Allerdings gibt es auch beim Bundesverfassungsgericht etablierte parteiliche Grundbesitzerinteressen. Bei mir führen sie derzeit zu einer, wie ich überzeugt bin, verfassungswidrigen Entfernung aus meiner Wohnung - mit allen existenziellen Folgen, die das für mich hat. Es ist zugleich Vertreibung, Gesundheitsschädigung, Enteignung meiner mobilen Sachgüter und Zerstörung meiner Berufsbasis.

Daß dies eine 'Exekution' ist, veranlaßt mich, zuvor mein Leben selbst zu beenden. Ich hoffe, daß dies verstanden werden wird als Demonstration völlig fehlenden Respekts vor einer mieterfeindlichen Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit. Mögen alle dafür Verantwortlichen und davon Profitierenden dasselbe Ende finden wie ich. (C.G. 3. 10. 2016)