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P 3: Wissenschaftliche Anforderungen und Leistungen beim geschichtswissenschaftlichen WWW-Publizieren. Gedankenskizze.

Die nachfolgende Zusammenstellung dient - speziell im Hinblick auf die Geschichtswissenschaft - einer kurzen, systematischen Übersicht über die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten und andrerseits über die wissenschaftlichen Möglichkeiten und Leistungen beim elektronischen Publizieren, die bei dieser wissenschaftlich und rechtlich vollgültigen Publikationsweise in enger Verbindung miteinander stehen. Die den elektronischen Möglichkeiten gegenüber bestehenden Beurteilungs- und Bewertungsunsicherheiten, die auch im geschichtswissenschaftlichen Bereich noch relativ häufig sind, soll auf diese Weise wo möglich abgeholfen werden. D. Hg. (1999)

A. Technische Voraussetzungen und Möglichkeiten für wissenschaftliche Internet- (insbesondere WWW-) Publikationen.

1. Die Benutzung weltweiter Netzwerke für die weltweite Verbreitung wissenschaftlicher Publikationen (fast) aller Art.

2. Die kostengünstige, schnelle und im Vergleich zu bisherigen Möglichkeiten sehr wirksame Realisierung einer weltweiten wissenschaftlichen Publikation.

3. Die völlig eigenverantwortliche und selbstbestimmte Verbreitung wissenschaftlicher Publikationen durch ihren Autor.

4. Die unkomplizierte Zusammenfassung aller publikationswichtigen Arbeitsgänge (wissenschaftliche Konzeption, Ausarbeitung, schnelle Verbesserungen und Neuauflagen, editorische und technische Gestaltung) in einer Hand unter der jedenfalls prinzipiell möglichen ausschließlichen Dominanz rein wissenschaftlicher Zielsetzungen.

5. Die Nutzung neuer erheblicher technischer Gestaltungsmöglichkeiten beim inhaltlichen Textaufbau (Verweistechniken, Illustrationmöglichkeiten, Quellen-Beigabe, Graphik und Audio- Illustrationen) und bei der formalen Textgestaltung (vielfältig variierbare und relativ leichte Handhabung des Schiftsatzes und der Formatierung eines Gesamttextes).

B. Gegenwärtig noch bestehende, aber schon jetzt lösbare praktische Probleme bei wissenschaftlichen Internet-Publikationen.

1. Die Entwicklung zu allgemein im Wissenschaftsbetrieb anerkannten bzw. anzuerkennenden Formen allgemeinzugänglicher, dauerhafter, nicht-kommerzieller, wissenschaftsgemäßer Dokumentation (Universitätsbibliotheken).

2. Die Entwicklung eines Autorenschutzes und die Handhabung der wirtschaftlichen Verwertung der Autorenrechte an öffentlich zugänglichen elektronischen Publikationen.

3. Die uneingeschränkt wissenschaftsgemäße Nutzung fremder geistiger Arbeit (Zitate, Querverweise) in elektronischen Publikationen durch ihren Autor.

4. Die Zitierbarkeit elektronischer Publikationen.

5. Rechtliche und wirtschaftliche Arrangements mit gleichzeitigen Formen der Druckpublikation.

6. Technische Anwenderprobleme (Selbstständigkeit des Autors bei der technischer Handhabung der insgesamt nicht wenigen für das Internet-Publizieren nötigen Geräte und Programme, dynamisches und rationelles Programm-Lernen für technische Laien, geeignete und schnell zugängliche nichtkommerzielle und kommerzielle Hilfestellungen).

C. Zentrale Anforderungen an geschichtswissenschaftliche Publikationen im Rahmen des elektronischen Mediums und ihre Erfüllbarkeit.

1. Kriterium: Wissenschaftlich sinnvolle Arbeitsansätze (Forschung, Lehre, wissenschaftliche Organisation i. e. S.), fachliche Fundiertheit (Quellen- und Literaturbasis).

2. Kriterium: Methodische Qualität einer Publikation.

3. Kriterium: Einwandfreie Dokumentation, eindeutige Autorenzurechnung, allgemeine Zugänglichkeit einer Publikation.

4. Kriterium: Wissenschaftliche Zitierbarkeit, Kritisierbarkeit und Kommentierbarkeit einer Publikation.

5. Kriterium: Einordnung einer Publikation in bestehende und uneingeschränkt auch in sachgemäß und frei vom Autor gewählte neue wissenschaftliche Diskussions- und Arbeitszusammenhänge.

D. Die Entwicklung und Nutzung neuer wissenschaftlicher Darstellungsformen und Gattungen im Rahmen des elektronischen Mediums: Aspekte der Leistungsbewertung bei elektronischen wissenschaftlichen Publikationen.

1. Orientierung verschiedener Publikations-Kategorien sowohl an einem universitären und akademischen als auch an einem weiteren, tendenziell weltweit vorhandenen, oft vorgebildeten, jedenfalls aber an sachmäßer, verantwortlicher, spezifisch wissenschaftlicher Information interessierten Publikum.

2. Entwicklung sinnvoll fach- und kulturgrenzübergreifender Publikationsinhalte, die im Bereich der Geschichte - einschließlich und insbesondere der Alten Geschichte, wenn sie in einem weiteren Sinne gefaßt wird - für Internetpublikation besondere Anreize bieten.

3. Entwicklung wissenschafts-didaktisch optimierbarer Publikationsformen aufgrund einer sorgfältigen 'Logfile'-Auswertung und verschiedener anderer, manchmal zahlreicher Rückmeldungen von der Benutzerseite.

4. Wissenschaftsgemäße und zugleich mediengerechte Benutzung der Landessprache (Deutsch) und - trotz der im wissenschaftlichen Bereich besonders offenkundigen Sprachbarrieren - ggf. in größerem Umfang auch anderer Sprachen (z. B. des Englischen), letzterer sowohl zum Zwecke internationaler Verständigung als auch zum Zwecke des wissenschaftlichen Zitats.

5. Klare und - trotz der nicht immer einfach zu erlernenden Programmroutinen - vom Benutzer technisch möglichst leicht zu erfassende und zu handhabende Ausdrucks-, Aufbau- und Illustrationsformen wissenschaftlicher Publikationen.

6. Optimale Nutzung der WWW-spezifischen Verweistechniken für eine gegenüber dem Papierdruck oft weitaus vorteilhaftere und verständlichere Darstellungsform wissenschaftlicher Argumentation (Entzerrung des prinzipiell zeitlich linear aufgebauten sprachlichen und gedruckten Vortrags), Quellenpräsentation (fast unbegrenzte Zitier- und Abbildungsmöglichkeiten) und Diskussionsanbindung (Querverweise zu anderen WWW-Seiten oder auch zu anderen Unter-Seiten eines Autoren-Projekts).

7. Die 'schnelle Publikation' und die 'in-statu-nascendi'-Publikation für Lehr-Skripten, Nachrichten, Diskussionsbeiträge und wissenschaftlich-praktische Aktionen.

8. Die Vermeidung und schnelle und kontinuierliche Beseitigung inhaltlicher Fehler und Präsentationsschwächen (einschließlich technischer Fehlfunktionen), die schnelle und kontinuierliche Verbesserung und Aktualisierung dargebotener Stoffe (bei Unnötigkeit des Wartens auf eine Druck-Neuauflage).

9. Die wissenschaftsgerechte und wissenschaftlich-produktivtätsfördernde Entwicklung neuer Gattungen wissenschaftlicher Publikation auf der Basis aller gegebenen elektronischen Kommunikationsechniken (EP, FTP, WWW):

Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de.