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P 4: Zur wissenschaftlichen Rezension von WWW-Seiten und CD mit wissenschaftlichem Inhalt.

Die folgende Gedankenskizze (1999) diente und dient weiterhin dem Zweck, das elektronische Rezensionswesen wissenschaftlich akzeptabel zu machen und praktisch zu fördern. D. Hg. , im April 2004

Die Rezension wissenschaftlicher Arbeiten, Projekte und Leistungen, deren Publikation sich darauf beschränkt,, elektronische Gestaltungsmöglichkeiten - zum Beispiel elektronische Verweistechniken und internetspezifische Hierarchisierungs- und Aufgliederungsformen - zu nutzen, steht vor dem Problem, die zu rezensierenden Leistungen einem bestimmten Autor sicher zuordnen zu können und sie in einem bestimmten festen Zustand zu erfassen, den der zu rezensierende Autor als für die Rezension maßgeblichen anerkennt, ohne ständig einen neu bearbeiteten Rezensionsgegenstand nachschieben zu wollen. Die schnelle Veränderung ist ja eine Möglichkeit, die das Medium gibt und normalerweise durchaus auch geben soll; denn u. a. in der Dynamik liegt ja auch ein erheblicher Gebrauchsvorteil für die Wissenschaft.

Eine Lösung für dieses Problem könnte im Abschluß eines Rezensionsvertrags etwa der nachfolgend skizzierten Art zwischen einer Redaktion und dem wissenschaftlichen Autor einer WWW-Seite oder einer einfachen CD liegen. Die Möglichkeit, eine CD zu brennen, erlaubt in beiden Fällen die für eine Rezension erforderliche Anknüpfungan einen bestimmten festgelegten Text. Gegenstand einerRezension wäre dann stets ein technisch nicht veränderbarer CD-Text.

Zweck eines 'CD-Rezensionsvertrags' wäre die Einigung der Vertragspartner auf eine Augenblicksaufnahme von oder aus einer WWW-Seite als maßgebliche Grundlage einer wissenschaftlichen Rezension. Der wissenschaftliche Autor hätte die Augenblicksaufnahme

a) selbst zu definieren,
b) in Form einer nicht veränderbaren CD herzustellen und
c) als Urkunde im Rechtssinne in mehreren Exemplaren der Redaktion zur Verfügung zu stellen.
 

Um in diesem Falle allzu weitgehende Rechtsverpflichtungen der Redaktion und der Rezensenten auszuschließen, was Archivierungs- , Herausgabe- und ggf. sogar eventuelle Zeugnisverpflichtungen (in Gerichtsverfahren über Urheberechte) betrifft, aber andrerseits einen gewissen Schutz des Autors gegen einen Mißbrauch seiner Arbeit zu gewährleisten, wird von mir im folgenden Vertragsmuster vorgeschlagen, der Vorlage der CD durch einen Autor bei einer Redaktion lediglich den Charakter einer 'Anmeldungs-Dokumentation' zu verleihen.

Ich wünsche mir , daß dieses oder ein ähnliches einfaches, d. h. leicht umsetzbares und kostensparendes Modell im wissenschaftlichen Bereich intensiver diskutiert würde, um der hin und wieder zu hörenden Behauptung, WWW-Seiten oder CD seien nicht rezensionsfähig und insoweit prinzipiell nur von begrenztem wissenschaftlichen Publikationswert, entgegenzutreten und die Möglichkeiten elektronischer Publikation ungehemmt und produktiv auch in der Wissenschaft nutzen zu können.

Was die Archivierung und das Präsenthalten fixierter elektronischer Texte wissenschaftlichen Charakters betrifft, gibt es im Bereich des wissenschaftlichen Bibliothekswesens bereits einige erfreulich umkomplizierte Ansätze einer nicht-geschäftlichen CD-Verwaltung. Dazu gehört zum Beispiel das in der Entwicklung befindliche Angebot der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin an Interessenten, Dissertationen, Habilitationsschriften und andere Publikationen elektronischen Inhalts zu verwalten und im Internet-Bereich weltweit verfügbar zu machen; siehe: http://www.ub.tu-berlin.de/publikationen/docserv/index.html. Wo es solche Möglichkeiten der Verwaltung fixierter Texte für elektronisch publizierende wissenschaftliche Autoren gibt, könnte das im einem Vertragsformular wie dem nachfolgend vorgeschlagenen, natürlich Berücksichtigung finden. Das Formular geht aber davon aus, daß es vielfach noch nicht so ist.

Die Herausgeber wissenschaftlicher Zeitschriften sollten sich jedenfalls, soweit sie es nicht schon getan haben, - auch im Hinblick auf die Entwicklung solcher Archivierungsmöglichkeiten im Bibliothekswesen - endlich entschließen, die Rezension elektronischer Publikationen in ihre jeweiligen Arbeitsbereiche aufzunehmen.

Muster eines CD-Rezensionsvertrags.

1. Zum Zwecke der Rezension einer wissenschaftlichen CD-Publikation vereinbaren

die Redaktion der Zeitschrift... (im folgenden: ,die Redaktion')

und Herr/Frau ... , wohnhaft.... (im folgenden: ,der CD-Autor')

auf den vom CD-Autor geäußerten Rezensionswunsch hin folgendes.

 

2. [Vorlage identischer Exemplare des Rezensionsgegenstandes in Urkundenform]

Der CD-Autor legt der Redaktion in dreifacher gänzlich gleicher Ausfertigung eine wissenschaftliche CD-Publikation vor, deren Rezension im Rahmen der Zeitschrift er wünscht.

Es handelt sich dabei um eine Zusammenfassung von Inhalten, die überwiegend bereits in gleicher oder ähnlicher Form entweder als Skripten in der Lehre oder als Buch- und Zeitschriftenpublikationen oder in anderer Weise vorveröffentlicht worden sind. Insbesondere kann es sich auch um die Augenblicksaufnahme einer wissenschaftlichen WWW-Seite, deren Rezension gewünscht wird, oder bestimmter aus ihr entnommener, genau definierter Teile handeln.

Jede Ausfertigung wird direkt auf dem Datenträger mit dem Datum der Herstellung und der Unterschrift des CD-Autors versehen.

In einer begefügten schriftlichen Erklärung versichert der CD-Autor der Redaktion, daß er - von wissenschaftsüblich kenntlich gemachten Zitaten abgesehen - der wissenschaftliche Urheber aller auf der CD publizierten Inhalte ist.

Jedem vorgelegten CD-Exemplar ist ferner eine gänzlich gleiche formularmäßige Beschreibung des Inhalts beizugeben. Über deren Minimalvoraussetzungen bestimmt die Redaktion. Der CD-Autor kann weitere Angaben hinzufügen.

Der Empfang aller Elemente der Vorlage ist dem CD-Autor von der Redaktion zu quittieren.

 

3. [Übereignung, Einsichtnahme des CD-Autors, Beweismittelcharakter der eingereichten Exemplare]

Ein CD-Exemplar behält die Redaktion.

Ein weiteres wird von der Redaktion einer von ihr zu bestimmenden wissenschaftlichen Bibliothek als besonders zu sicherndes Dokument zur Verwaltung im Rahmen ihrer Betriebsordnung übereignet.

Das dritte erhält der Rezensent zum Verbleib bei ihm. Werden mehrere Rezensenten tätig, sind entsprechend mehr Exemplare zu vorzulegen.

Alle Empfänger haben dem CD-Autor im Bedarfsfalle nach § 810 BGB Einsicht zu gewähren und ferner ggf. ihre CD einem Gericht als Beweismittel vorzulegen.

Zu einer auch nur zeitweiligen Herausgabe an den CD-Autor sind sie nicht verpflichtet.

Rechtspflichten aus einem Verwahrungsvertrag bestehen ebenfalls nicht.

 

4. [Wissenschaftliche Vorbegutachtung]

Der CD-Autor benennt auf Wunsch der Redaktion zwei fachlich ausgewiesene Wissenschaftler, die die von ihm vorgelegte CD gegengelesen haben und zur Rezension empfehlen. Die Empfehlung enthält lediglich die Feststellung, daß die CD gegengelesen worden ist und sich zu einer wissenschaftlichen Rezension eignet.

 

5. [Freiwillige Vermittlungstätigkeit der Redaktion]

Die Redaktion bemüht sich in wissenschaftsüblicher Weise, einen oder ggf. mehrere Rezensenten zu finden, übernimmt jedoch keine Gewähr für das Zustandekommen einer Rezension.

 

6. [Keine Urheberrechtssicherung, aber Anmeldungs-Dokumentation durch CD-Vorlage bei der Redaktion]

Mit der Entgegennahme der vorgelegten CD erklärt und anerkennt die Redaktion nichts zum Bestehen eines Urheberrecht (§§ 11 ff. UrhG) des CD-Autors betreffend die Inhalte der CD. Die Sicherung der entsprechenden Rechte obliegt vielmehr ausschließlich dem CD-Autor, der sie ggf. auf andere Weise selbst vorzunehmen hat.

Es wird damit lediglich zwischen den Partnern der Vereinbarung und im Verhältnis zur Wissenschaftsöffentlichkeit dokumentiert, daß der CD-Autor zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte CD-Publikation als von ihm verantwortete angemeldet und für eine wissenschaftliche Qualitätsprüfung im Rahmen einer Rezension zur Verfügung gestellt hat.

 

Christian Gizewski, EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de.