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FORUM  

zur Diskussion der derzeit an der TU Berlin diskutierten Neuordnung der IUK-Strukturen.

Siehe dazu die verschiedenen unter P 6 zusammengestellten Beiträge. - Auf diesem Forum werden vor allem etwas umfänglicher argumentierende und ins Grundsätzliche gehende Stellungnahmen zu den dort angesprochenen Fragen wiedergegeben, um die Mühe, die sich die jeweiligen Autoren gegeben haben, für den anstehenden Diskussionsprozeß angemessen nutzen und eine Zeitlang vor dem Grab uninteressierter Papierkörbe bewahren zu können.. D. Hg.


1) Prof. Dr. Dieter Münch, EP: Dieter Muench <dieter.muench@tu-berlin.de>, schrieb am 2. Mai 2002 in Reaktion auf den mit einem Rundbrief an Angehörige der TU Berlin bekanntgemachten Beitrag Gizewski, "Falsche Preise, unzulässige Gebühren? Appell zur weiterhin wissenschaftsgemäßen Gestaltung der elektronischen 'Grunddienste' an der TU Berlin" unter anderem:

"Vielen Dank für die Zusendung Ihrer Mail zur geplanten Gebührenerhebung für Dienste des ZRZ. Die Argumentation Ihres Appells ist vollkommen überzeugend. Die Einführung von Gebühren für die Leistungen des Rechenzentrums sind de facto ein Steuerungsinstrument. Derartige Gebühren bauen Hürden auf. Sicherlich sind die Hürden nicht so hoch, dass sie die Nutzung des www verhindern werden. Doch sollte man die Auswirkungen, die sie für Hochschullehrer, die in keinem Dienstverhältnis zur TU stehen, also Privatdozenten und apl. Professoren, nicht unterschätzen. Das Verhalten der Universität ihnen gegenüber wird durch die Einführung von Kostenberechnungen immer unfairer, da ja nur Kosten der Universität berechnet, nicht aber Leistungen der Privatdozenten honoriert werden. Die Nichtbezahlung von wissenschaftlichen Leistungen sowie die Erbringung von Leistungen in der Lehre, Prüfungen u.dgl. von Privatdozenten ist ja festgeschrieben, sie sind verpflichtet, wenn sie ihren Titel behalten wollen, sie kostenlos zu erbringen. Durch die neue Befristungsregelungen wird sogar ausgeschlossen, dass selbst dann, wenn Mittel zur Verfügung stehen - die vielleicht durch den Privatdozenten selbst eingeworben sind -, sie für ihre wissenschaftlichen Leistungen bezahlt werden.Die Präsentation von wissenschaftlichen Ergebnissen im Netz und die Verwendung von TU-Adressen bei E-mails sind zweifellos für die TU imagefördernd. Weil es diesen imagefördernden Effekt gibt, wollen etwa Drittmittelgeber in Publikationen, die von ihnen gefördert wurden, genannt werden. Für das Nennen der TU, also für die Nutzung von TU-Absendern in www Publikationen und bei E-mails, soll aber nun bezahlt werden. Das aber macht nur Sinn, wenn man unterstellt, dass der Privatdozent im Hinblick auf seine wissenschafliche von seiner Universität abhängig ist. Man nutzt also seine Abhängigkeit aus, verhält sich unfair.

Die Gebührenregelung kann auch nicht dadurch verteidigt werden, dass den Instituten und Fakultäten die Verantwortung übertragen wird, indem man sagt, dass diese ja die Gebühren für die Privatdozenten übernehmen können. Diese Entgegnung übersieht, dass der Umgang der Universität mit Privatdozenten von Grund auf unfair ist. Dies wird deutlich, wenn man als Beispiel das Kopieren und Telefonieren heranzieht. Für die Frage der Bezahlung ist entscheiden, ob die Nutzung dienstlich und privat ist. Private Nutzungen sind aus eigener Tasche zu bezahlen, dienstliche - sofern sie noch andere Kriterien wie Notwendigkeit, Fehlen preiswerterer Alternativen erfüllen - werden dagegen aus anderen Quellen bezahlt. Da der Privatdozent aber in keinem Dienstverhältnis zu seiner Universität steht, ist das Dienstlichkeits-Kriterium nie erfüllt. Nur durch Tricks, indem man etwa die Leistung einem anderen Stelleninhaber zuordnet, kann dies umgangen werden. Aber das ist in vielen Fällen keine saubere Lösung, so dass es auf Gnadenakte hinausläuft, die allein vom Wohlwollen der Stelleninhaber abhängig sind. Entsprechendes gilt für die in Frage stehenden Gebühren."

2) Der Herausgeber dieser WWW-Seite richtete am 14. Mai 2002 einen weiteren Rundbrief an die über elektronische Post erreichbaren Angehörigen der Fakultät I der TU Berlin:

Dr. Christian Gizewski
Professor für Alte Geschichte

an der Fakultät 1, Institut für Geschichte und Kunstgeschichte,
der Technischen Universität Berlin,
Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin,
TEL, AB und FAX: 030/8337810,
EP: [gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de],
WWW-Seite: [http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW].

14. Mai 2002

Sehr geehrte Damen und Herren!

In der morgigen Sitzung des Fakultätsrates der Fakultät I ist als ein Gesprächspunkt eine erste form- und antragslose Erörterung der mit der Entwicklung der Nutzung der Internettechnologie an der Fakultät I verbundenen komplizierten Fragen vorgesehen.

Da ich Sie kürzlich mit einem Rundbrief auf meine schweren Bedenken gegen eine vorgesehene Gebührenerhebung für zumindest einige wissenschaftwesentliche Server-Leistungen durch das Zentrale Rechenzentrum der TU Berlin hinwies, fühle ich mich verpflichtet, über die Kritik, die ich dort übte, hinausgehend heute auch einen Antrag an den Fakultätsrat vorzuschlagen, der sich mit einer denkbaren

Problemlösung für die Fakultät I befaßt.

Bitte machen Sie sich diesen Entwurf eines Antrags nach Ihrem Gutdünken zu eigen oder nicht. Wenn nicht morgen, so vielleicht bei späterer Gelegenheit wird sich die Gelegenheit und auch die Notwendigkeit ergeben, Anträge dieser Art im Fakultätsrat zu diskutieren.

Wegen des benutzten Verteilers bitte ich um Nachsicht, wenn dieser Brief einige Adressaten mehrfach erreicht.

Mit freundlichen Grüßen

C. Gizewski

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Entwurf eines Antrags
an den Fakultätsrat
der Fakultät I.
Verfasser: Gizewski

1. Der Fakultätsrat möge im Zusammenhang mit der geplanten umfassenden Gebührenberechnung des Rechenzentrums (ZRZ) der TU Berlin eingehend darüber diskutieren, wie die künftige Form wissenschaftlichen Arbeitens auf der Basis von Server-Grunddiensten an der Fakultät I aussehen soll.

Die gegenwärtige Entwicklung gibt zur Sorge Anlaß, das elektronisch basierte wissenschaftliche Kommunizieren und Publizieren könnte in Zukunft durch ungeeignete Gebührenerhebungen und Organisationsexperimente erheblich behindert werden.

Siehe dazu etwa die Stellungnahme Gizewski 'Falsche Preise, unzulässige Gebühren‘; im Internet zugänglich unter der URL-Adresse

http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/P6.htm).

Der Fakultätsrat möge sie sich in geeigneter Form zu eigen machen.

2. Der Dekan möge in dieser Frage insbesondere das baldige Gespräch mit dem derzeitigen Vizepräsidenten der TU Berlin, Herrn Prof .Kutzler, suchen, um ihm solche Veränderungen seiner eine 'Budgetierung' betreffenden Anordnung nahezulegen, die

von vornherein

den Interessen aller serverleistungsbasieren geisteswissenschaftlichen Projekte im Bereich der Fakultät 1

an einem nicht nur unbeeinträchtigten und unbehinderten , sondern vielmehr wirklich und tatkräftig geförderten Einsatz der Server-Leistungen

als notwendiger wissenschaftlicher Grundddienste der Universität für die wissenschaftliche Arbeit

detailliert

gerecht werden.

3. Er möge ferner deutlich machen, daß die Fakultät I kein Interesse an einem eigenen Rechenzentrum hat, bevor eindeutig und überzeugend geklärt ist, daß das Rechenzentrum der TU Berlin (ZRZ) die im Rahmen einer geisteswissenschaftliche Fakultät anfallenden Aufgaben nicht völlig zufriedenstellend - und kostengünstig auch für den größten anderen Bereich der TU Berlin - wahrnehmen könne.

4. Eine künftige Lösung für die Fakultät sollte wenigstens folgende Elemente enthalten:

a) einen IuK-Unterausschuß der Fakultät, bestehend aus einigen Wissenschaftlern und, wenn möglich, ausreichend technisch versierten Fakultätsmitarbeitern. Darin sollte ferner ein Mitglied der ZRZ Sitz und Stimme haben;

b) die langfristige, zuverlässige Zusage der 'Gebührenfreiheit‘ aller WWW- und Email-Server-Leistungen für wissenschaftliche Zwecke, insbesondere für Wissenschaftler, die keinen direkten Zugang zu Haushalsmitteln haben;

c) die angemessene Einbeziehung auch anderer Server-Leistungen (Datenserver u. a.) in die Gebührenfreiheit, soweit sie für wissenschaftlich nachweislich notwendige Projekte in Anspruch genommen werden, die zum wissenschaftlichen Leistungsspektrum der TU Berlin gehören;

d) die Optimierung, soweit möglich, zentraler Rechner- Grunddienste der Universität für die Fakultät I und andere TU-Fakultäten , die im wesentlichen keine eigene Serverstruktur benötigen, insbesondere etwa

- die bessere personelle Ausstattung der ZRZ für praktisch-technische Beratungsaufgaben bei den wissenschaftlichen, rechnergestützten Arbeiten und Vorhaben an der Fakultät I und anderen dessen bedürften Fakultäten der TU Berlin,

- die Schaffung einer Archivierungsstelle für elektronische Publikationen bei der Universitätsbibliothek und deren entsprechende personelle und sächliche Ausstattung.

3) Am 15. 5 2002 ging folgende Stellungnahme der IuK-Kommission der Fakultät I der TU Berlin zu den Rundbriefen und dem Antragsentwurf Gizewski vom 29.4. und 14.5.2002 ein:

Fakultät 1 (Geisteswissenschaften) der TU Berlin
IuK-Kommission: Sprecher H. Stiehl 15.05.02 10.30 Uhr
An den Fakultätsrat Fakultät 1
über Dekan Prof. Erdmann
VL Klaus Thiele zur Kenntnis

Betreff: Heutige Sitzung des Fakultätsrates

Stellungnahme der IuK-Kommission zu den Rund-Mails und dem Antrag von Prof. Gizewski (29.4. und 14.5.2002)

Die IuK-Kommission begrüßt zunächst die Initiative von Prof. Gizewski, weil sie der gesamten Fakultät die aktuelle Situation und die absehbaren Entwicklungen im Zusammenhang mit der Budgetierung nicht nur im IT-Bereich der TU ins Bewusstsein hebt. Sein Antrag unterstützt die bisherigen Initiativen der IuK-Kommission (Fakultätstag am 5.12.2001, verschiedene Rundmails mit Kursangeboten, Umfragen usw.).

Der IuK-Kommission geht es wie Prof. Gizewski darum, eine möglicherweise drohende Einschränkung der IT-Dienste und –Möglichkeiten für alle Mitglieder der Fakultät nicht nur zu verhindern, sondern im Gegenteil diese Möglichkeiten durch effizientere Organisationsstrukturen zu erweitern und zu fördern. Insoweit unterstützt der IuK-Kommission die Initiative von Prof. Gizewski.

Die IuK-Kommission sieht jedoch keine Notwendigkeit, ad-hoc-Entscheidungen zu fällen. Entscheidungen stehen erst im Jahre 2003 an.

Diese müssen jedoch in den möglichen Entscheidungsalternativen gründlich vorbereitet werden, wobei auch alternative Organisationsstrukturen und deren jeweiligen Kosten- und Leistungsstrukturen eine wichtige Rolle spielen sollten. Der Ort für diese Vorbereitung ist auftragsgemäß die IuK-Kommission der Fakultät 1, deren Sitzungen fakultätsöffentlich und zu denen alle Fakultätsmitglieder eingeladen sind.

Diesem Ziel dient auch das im IuK-Beirat beim Präsidenten von allen Fakultäten der TU einstimmig – also auch mit Stimme der Fakultät 1 - beschlossenes Verfahren, bereits im Jahr 2002 „virtuelle Rechnungen“ zu erstellen (Einzelheiten vgl. http://www.ik.tu-berlin.de/seiten/deutsch/IuKBeirat/EinladungenProtokolle/10-ProtBeirat-17.12.V2.pdf ; http://www.ik.tu-berlin.de/seiten/deutsch/IuKBeirat/EinladungenProtokolle/dienste_preise.html ; http://www.ik.tu-berlin.de/seiten/deutsch/IuKBeirat/EinladungenProtokolle/ZRZ-DienstePreise.pdf ).

Dieses Verfahren wie die gesamteBudgetierung dient in Zeiten zunehmend knapper Kassen dazu, über die Offenlegung der bisher nicht erkennbaren Kosten- und Leistungsstrukturen, zu einem effizienteren Leistungsangebot ohne Einschränkung der bisherigen wissenschaftlichen Möglichkeiten und des Lehrangebot zu kommen. Diesem Ziel wird sich auch die Fakultät 1 nicht entziehen können. Dazu wird die IuK-Kommission – wie vom Dekan aufgefordert – zur Sitzung des Fakultätsrates am 19.6.2002 einen ersten Entwurf vorlegen.

Die IuK-Kommission teilt nicht die implizit und teilweise auch explizit ausgesprochene Befürchtung / Hypothese, dass das Verfahren der Budgetierung zu einer Leistungseinschränkung führen muß oder wird. Im Gegenteil, Ziel der Arbeit der IuK-Kommission ist, zu einer Erweiterung der IT-Möglichkeiten zu kommen, etwa in der Form, dass allen Lehrenden der Fakultät die Möglichkeit gegeben wird, contentorientierte Web-Sites für ihre Lehrveranstaltungen ins Netz zu stellen, sich an weitergehenden Formen des eLearnings im Hochschulunterricht und des wissenschaftlichen Publizierens zu beteiligen.

Auf Einzelheiten der Initiative von Prof. Gizewski kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Sie bedürfen alle der Detailprüfung, weil sie zum Teil auf falscher, durchgängig jedoch auf hypothetischer Basis formuliert sind.

Klärungsbedarf besteht ohne Zweifel in dem von Prof. Gizewski angeführten Punkt 4b., der ihn offensichtlich selbst sehr betrifft:

"die langfristige, zuverlässige Zusage der 'Gebührenfreiheit' aller WWW-und Email-Server-Leistungen für wissenschaftliche Zwecke, insbesondere für Wissenschaftler, die keinen direkten Zugang zu Haushalsmitteln haben".

Die Position der IuK-Kommission dazu ist, dass der Fakultätsrat erst in seiner Sitzung am 19.6.2002 auf der Basis der dann vorliegenden Empfehlung der IuK-Kommission eine verbindliche und für alle Mitglieder der Fakultät befriedigende Entscheidung trifft.

Mit freundlichen Grüßen

H. Stiehl

4) Auf die Stellungnahme des Vorsitzenden der IuK-Kommission der Fakultät I antwortete der darin Angesprochene am 16. Mai 2002 wie folgt:

C. Gizewski, Fakultät 1, Institut für Geschichte und Kunstgeschichte,
der Technischen Universität Berlin,
Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin,
TEL, AB und FAX: 030/8337810,
EP: [gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de],
WWW-Seite: [http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW].

Sehr geehrter Herr Stiehl!

In Ihrer gestrigen Stellungnahme schreiben Sie, meine Bedenken beruhten teilweise auf falschen oder hypothetischen Annahmen. Wenn Sie wollen, äußern Sie sich dazu gern eingehender in dem von mir eigens dafür eröffneten Internet-Diskussionsforum (http://www.tu berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/SOzuP6/ForumP6.htm), auf das ich einstweilen auch Ihre gestrige Stellungnahme eingestellt habe.

Ich möchte meinerseits betonen, daß ich, soweit ich dazu Zeit finde, gelegentlich gern an thematisch einschlägigen Sitzungen der Fakultäts-IuK-Kommission teilnehmen werde. Mein Interesse an derartigen Diskussionen habe ich bereits bei der im vergangenen Jahr von Ihnen für die gesamte Fakultät veranstalteten Tagung deutlich gemacht. Anders als nicht wenige andere Kollegen, denen die Thematik - vielfach durchaus verständlicherweise - noch oder grundsätzlich fremd ist, war ich dort und habe intensiv mitdiskutiert.

Ich nehme an, Sie stimmen mit mir darin überein, daß eine Diskussion über derart wichtige Fragen wie die vorgesehene sog. 'Gebührenerhebung' bzw. 'Preiskalkulation' für wissenschaftswesentliche Serverleistungen nicht allein in der IuK-Kommission der Fakultät geführt werden kann. Es muß ja unter den jetzt und künftig betroffenen Fakultätsangehörigen zu einer breiten Meinungsbildung kommen, damit in dieser Frage die gedanklichen Alternativen und teilweise konträren praktischen Optionen deutlich beurteilbar werden.

Ich fasse meine Positionen nochmals kurz zusammen:

1) Ich bin nach wie vor nicht davon überzeugt, daß die vorgesehene fiktive und rechtlich problematische 'Preis'-Kalkulation, die vorzunehmen die ZRZ vom derzeitigen Vizepräsidenten angewiesen worden ist, irgendeine substanzielle, glaubwürdige Klarheit in die sog. 'Kostenfaktoren' des Servergebrauchs an einer wissenschaftlichen, öffentlich-rechtlich verfaßten Instutution wie der Universität bringen kann. Sie ist m. E. überflüssig wie ein Kropf.

2) Ich bin ferner überhaupt nicht davon überzeugt, daß sich die Arbeit des mit seinen Leistungen für den gesamten Universitätsbereich ausgelegten und insoweit prinzipiell kostengünstig und auch wissenschaftlich durchaus sinnvoll konzipierten Zentralen Rechenzentrums ökonomisch und unter wissenschaftlichen Aspekten wirklich kritisieren läßt. Soweit überhaupt wesentliche abstrakte oder konkrete Kritik an ihr sollte geübt werden können, müßte jetzt schon dargelegt werden, warum sie sich ggf. nicht so optimieren ließe, daß sie den Bedürfnissen der allermeisten Anwender in der Fakultät I und in anderen nicht spezifisch techniknahen Fakultäten vollauf genügen könnte. Es ist unnötig, sein Herz an irgendetwas zu hängen, was keine wirkliche Alternative darstellt. Wenn bei einer Kritik an der ZRZ etwa Kostenfaktoren fiktiv und unter Zugrundelegung rechtlich wirksam angreifbarer Maßstäbe berechnet würden, wie es im Augenblick zu geschehen droht, würde derartige Kritik nach meiner Einschätzung nicht greifen. Die ZRZ-Lösung bietet aus meiner Sicht vor allem auch einen prinzipiell unkomplizierten Rahmen für das wissenschaftliche Internet-Publizieren und-Kommunizieren. Mehr ist m. E. überhaupt nicht nötig, auch nicht, um Konzepte eines elektronisch basierten Studierens zu realisieren, und alles andere ist eher zu fürchten.

Dies sind meine primären Einwände.

Daß außerdem eine sog. 'Budgetierung' die nicht wenigen 'budget'-fernen Wissenschaftler - mich eingeschlossen - in absurdester Weise an einer produktiven Verwendung von Serverleistungen hindern können, halte ich angesichts des m. E. undeutlichen bzw. brüchigen 'Gebühren-'/'Preisbildungs'-Konzepts für eine ernsthaft naheliegende Gefahr. Sie haben diese Befürchtung jedenfalls mit Ihrer gestrigen Stellungnahme in keiner Weise widerlegt. Es ist wenig befriedigend, die insoweit absehbar drohende Entwicklung jetzt unerörtert und unbeantwortet zu lassen, wo sich die Fragen deutlich stellen. Die meisten elektronisch arbeitenden Wissenschaftler der Fakultät möchten, so nehme ich - auch aufgrund einiger deutlicher Reaktionen, die mich erreichten - an, jetzt maximale Klarheit über die Rahmenbedingungen und Perspektive ihres Tuns. Was soll denn sonst die ganze 'Probe-Gebührenerhebung'? Niemand wird sich gern irgendwann im Jahre 2003 von irgendeiner plötzlichen Gremienentscheidung überraschen lassen wollen, gegen die man dann nur noch im Wege des Rechtsstreits vorgehen kann, und bis dahin in ständiger Unsicherheit und Sorge leben. Es gibt also m. E. keinen triftigen Grund für eine Vertagung der Disksussion auf das nächste Jahr (und nicht einmal auf den nächsten Monat).

Wie wir in unserem kürzlich geführten längeren Telephongespräch feststellten, haben wir trotz dieser extrem kontroversen Positionen dennoch auch einige wichtige Auffassungen in Sachen wissenschaflicher Internet-Nutzung gemeinsam, woran ich abschließend gern erinnere.

Mit freundlichen Grüßen Ihr C. Gizewski

5) Am 14. Juni nahm der Vorsitzende der IUK-Kommission folgendermaßen Stellung:

Fakultät 1 (Geisteswissenschaften) der TU Berlin
IuK-Kommission: Sprecher H. Stiehl

14.06.02

An den Fakultätsrat Fakultät 1
über Dekan Prof. Erdmann
VL Klaus Thiele zur Kenntnis
Prof. Dr. Gizewski zur Kenntnis

Betreff: Sitzung des Fakultätsrates am 19.6.02

Stellungnahme zur künftigen Struktur und Organisation der IT-Dienste in der Fakultät 1

Sehr geehrter Prof. Erdmann,

ich darf Ihnen als Anlage die angeforderte Stellungnahme der Kommission übermitteln. Um den gesamten Komplex hat sich ja in der Zwischenzeit eine Diskussion entwickelt, die bisher leider im wesentlichen nur zwischen mir als TU-Mitglied und Herrn Prof. Dr. Gizewski geführt wird. Sie ist auf der Web-Site der IuK-Kommission unter folgender Adresse nachzulesen: http://www.tu-berlin.de/fb2/medho/IuK-Fak1/IuK-Infrastruktur.htm

Eben gestern habe ich eine "Kritische Analyse der Argumente in dem Memorandum von Prof. Dr. Christian Gizewski: "Falsche Preise, unzulässige Gebühren? Appell zur weiterhin wissenschaftsgemäßen Gestaltung der elektronischen 'Grunddienste' an der TU Berlin" fertig und ins Netz gestellt: http://www.tu-berlin.de/fb2/medho/IuK-Fak1/IuK-Infrastruktur/Stellungnahme-zu-Gizewski-Memorandum-020529.pdf . In dieser Analyse konnte ich aus Zeitgründen und wegen des Umfangs leider nicht mehr auf die Mail / Brief eingehen, den Prof. Dr. Gizewski gestern abend an Sie geschickt hat: http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/P7.htm .

Bei dieser Gelegenheit darf ich - wie angekündigt - meinen Rücktritt als Sprecher der IuK-Kommission erklären, da ich am 15.8.02 in den zweiten Teil der Altersteilzeit eintrete. Herr Cassiers ist als Stellvertreter in der Kommission gewählt und wird die Kommission weiter vertreten. Der Kollege Rainer Morsch hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, meine Funktionen in der Betreuung der PC-Pools FR0053 und FR7020 zu übernehmen. Die Stellvertretung des Dekans im IuK-Beirat müßte neu geregelt werden.

Die Stellungnahme der Kommission werde ich in der Sitzung des Fakultätsrates am 19.6.02 vertreten und für Fragen zur Verfügung stehen. Ich möchte Sie bitten, mir die Tagesordnung per Mail zu übermitteln, damit ich in etwa meine Zeitplanung einrichten kann.

Mit freundlichen Grüßen

H. Stiehl

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[Es folgt die Anlage zu 5)]

(S. 1)

H. Stiehl, Kritische Analyse der Argumente in dem Memorandum von Prof. Dr. Christian Gizewski, Falsche Preise, unzulässige Gebühren? Appell zur weiterhin wissenschaftsgemäßen Gestaltung der elektronischen 'Grunddienste' an der TU Berlin.

13.6.02. Quelle: http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/P6.htm

(A) Ausgangslage und Prämissen:

Ausgangs- und Bezugspunkt der folgenden Darstellung ist die „Stellungnahme der IuK-Kommission zu den Rund-Mails und dem Antrag von Prof. Gizewski (29.4. und 14.5.2002 - http://www.tu-berlin.de/fb2/medho/IuK-Fak1/IuK-Kommission/Protokolle/Stellungnahme-IuK-Kommission-Gizewski-020515-1.pdf ). Darin finden sich folgende Aussagen:

"Die IuK-Kommission teilt nicht die implizit und teilweise auch explizit ausgesprochene Befürchtung / Hypothese, dass das Verfahren der Budgetierung zu einer Leistungseinschränkung führen muß oder wird".

"Auf Einzelheiten der Initiative von Prof. Gizewski kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Sie bedürfen alle der Detailprüfung, weil sie zum Teil auf falscher, durchgängig jedoch auf hypothetischer Basis formuliert sind."

Der zuletzt genannte Punkt wird im folgenden zu belegen versucht. Dabei geht es um eine nüchterne Analyse, die möglichst nicht durch persönliche Ängste präformiert wird. Deshalb wird zum einen versucht, eine analytische Trennung von Aussagen mit empirischem und von präskriptiv-normativem Geltungsmodus zu machen, einfacher ausgedrückt, die Beschreibung dessen, was ist, und was sein soll, sprachlich möglichst nicht zu vermengen. Zum anderen jedoch sollen die geäußerten Befürchtungen auf ihren Wahrscheinlichkeitsgrad hin untersucht werden.

Die Analyse soll entlang signifikanter Aussagen im Memorandum erfolgen.

Es handelt sich hierbei um eine persönliche Stellungnahme, nicht um der Position der IuK-Kommission. Der Autor möchte weder als Apologet der Hochschulpolitik des gegenwärtigen Präsidiums der TU mißverstanden werden, noch ist er sich sicher, ob alle im Zusammenhang mit der Budgetierung vorgesehenen organisatorischen Umstruktierungen auch tatsächlich den intendierten Effekt voll erreichen werden.

Der Autor plädiert lediglich für eine nüchterne Analyse und ein gewisses Maß an Aufgeschlossenheit organisatorischen Änderungen gegenüber auf der Grundlage folgender Prämissen:

Die Haushaltslage des Landes Berlin ist so dramatisch, dass alle aus Steuermitteln finanzierten Institutionen und Leistungen sich hinsichlich ihrer gesellschaftlichen Notwendigkeit, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Wirtschaftlichkeit (Kosten-Leistungsverhältnis) neu legitimieren müssen. Institutionen der Wissenschaft können wie andere Bildungsinstitutionen auch vom Prinzip her zunächst keine Ausnahme beanspruchen.

Außergewöhnliche Situationen erfordern gegebenenfalls auch außergewöhnliche Maßnahmen. Auch lang tradierte Strukturen und Prozesse müssen auf ihre (auch ökonomische) Leistungsfähigkeit hin überprüft werden.

Die bisherigen Formen der Alimentierung öffentlicher Institutionen in Formen der Kameralistik (einfache Ein- und Ausgabenrechnung über Haushaltskonten) fördert tendenziell weder Kosten- noch Leistungsbewusstsein bei den Betroffenen, sondern produziert – so die langjährige Kritik des Bundes der Steuerzahler u.a. auch unter Berufung auf die Jahresberichte der Rechnungshöfe bundesweit – in erheblichem Umfang Verschwendung von

(S. 2)

Steuergeldern.

Längerfristige Erfahrungen mit einer Umstellung der Rechnungslegung von Formen der Kameralistik auf Formen der Budgetierung in mit Universitäten vergleichbaren wissenschaftlichen Institutionen, die ebenfalls weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert werden wie etwa den Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, geben hinreichenden Anlass zu der Erwartung, dass dies zu einem höheren Maß an Kosten- und Leistungsbewußtsein bei den Betroffenen und in Folge zu einer effizienteren Nutzung öffentlicher Mittel führen könnte.

Eine wichtige Frage ist, wie weit Budgetierung gehen soll, ohne dass sich das intendierte Ziel in sein Gegenteil verkehrt. Dies läßt sich jedoch nur in den wenigsten Fällen a priori und schon gar nicht pauschal beurteilen, sondern bedarf in der Regel einer ganz konkreten Überprüfung auch hinsichtlich des Kosten-Leistungsverhältnisses im Vergleich zu jeweils konkret gegebenen Alternativen.

(B) Situationsbeschreibung:

http://www.ik.tu-berlin.de/seiten/deutsch/IuKBeirat/EinladungenProtokolle/10-ProtBeirat-17.12.V2.pdf ;

Der IuK-Beirat beim Präsidenten der TU hat folgende Umstrukturierung der bisherigen ZRZ-Dienste vorgeschlagen (Einzelheiten vgl. http://www.ik.tu-berlin.de/seiten/deutsch/IuKBeirat/EinladungenProtokolle/8-Beschluss_8te_Sitzung_Beirat.pdf und http://www.ik.tu-berlin.de/seiten/deutsch/IuKBeirat/EinladungenProtokolle/8-ZRZ_Services_Diensteklassen_short.pdf und http://www.ik.tu-berlin.de/seiten/deutsch/IuKBeirat/EinladungenProtokolle/dienste_preise.html )

Die Dienste werden in drei Klassen eingeteilt: Klasse 1 – Zentrale Dienste für die Gesamtheit der TU, Klasse 2 – Grunddienste mit Umlagen der Kosten auf die Nutzer, Klasse 3 – Optionale Dienste mit Umlagen der Kosten auf die Nutzer, Bezahlung aus einem zusätzlichen IuK-Budget. Zitate:

"Die Dienste der Klasse 1 werden als Grundaufgabe angesehen und sollen weiterhin zentral finanziert werden. Bei den Diensten der Klasse 2 sollen ab dem Jahre 2003 die Sachkosten den Nutznießern in Rechnung gestellt werden; bei den Diensten der Klasse 3 sollen ab 2003 die Sach- und Personalkosten den Nutznießern in Rechnung gestellt werden - wobei deren Budgets zu diesem Zweck entsprechend angepasst werden müssen. Im Jahre 2002 werden die Nutznießer durch "pro-Forma"-Rechnungen über ihre Inanspruchnahme der Dienste der Klassen 2 und 3 sowie die dabei angefallenen Kosten informiert. Diese Informationen sollen bei der Festlegung der Budgets herangezogen werden.."

"Erst auf der Grundlage der Erkenntnisse, die im Jahre 2002 gesammelt werden, wird die Mittelverteilung an das ZRZ und für die Fakultäten überarbeitet. Für die Dienste der Klasse 2 erhalten die Abnehmer am Jahresanfang ein virtuelles Budget (keine Haushaltsmittel), dem am Jahresende die Kosten der tatsächlichen Inanspruchnahme gegenübergestellt werden. Abweichungen gegenüber dem virtuellen Budget werden positiv bzw. negativ sanktioniert. Für die Dienste der Klasse 3 erhalten die Abnehmer ein Budget mit dem die Dienstleistungen des ZRZ zu bezahlen sind. Diese Verfahrensweise gilt erst ab 2003."

Die Klasse 3 (Optionale Dienste), die hier zur Diskussion steht, beinhaltet im wesentlichen den bisherigen Betrieb von Servern, den Betrieb von öffentlichen Rechnerpools des ZRZ, den Betrieb eines Schulungsraumes des ZRZ mit Arbeitsplatzrechnern im Gebäude MA und die Ausleihe von Arbeitsplatzrechnern durch das ZRZ. Entsprechend der gesamten Sach- und Personalkosten der bisherigen Inanspruchnahme dieser Dienste des ZRZ durch die Fakultäten bzw. Institute/ Kostenstellen im Jahre 2002 soll diese ein gesondertes IuK-Budget zusätzlich zu ihrem normalen Budget für Lehre und Forschung usw. erhalten. Aus diesem Budget müssen ab 2003 die Dienstleistungen der Klasse 3

(S. 3)

real bezahlt werden, unabhängig davon, ob die Fakultäten/Institute/Kostenstellen diese Dienste weiterhin bei dem ZRZ, bei anderen Fakultäten, durch externe Dienstleister/Provider 'einkaufen' oder ob sie diese selbst mit eigenen Servern, PC-Pools usw. erbringen wollen. Anders ausgedrückt: Es besteht keine Verpflichtung, diese Dienste nur über die ZRZ realisieren zu lassen. Die ZRZ unterliegt in der Klasse 3 der Konkurrenz von außen. Die Fakultäten werden gegenüber dem Istzustand finanziell nicht schlechter gestellt. Sie bezahlen nur die Dienste des ZRZ, die sie tatsächlich in Anspruch nehmen.

Die Klasse 2: (Grunddienste [mit Umlage der Kosten auf die Nutzer, d. Hg.]) beinhaltet folgende Dienste der ZRZ: Anbindung an externe Netze (DFN, BRAIN) einschließlich Aufdeckung und Abwehr von Missbrauch; Schulungskurse; Beschaffung und Vertrieb von Materialien; Beschaffung und Vertrieb von Anleitungen und Beschaffung und Vertrieb von Softwareprodukten. Die letzten drei Dienste mussten bisher schon von den Nutzern aus den konsumptiven Haushaltskonten der betreffenden Institute real bezahlt werden. In Zukunft sollen nun auch die beiden ersten Dienste aus den normalen Haushaltsbudgets der Fakultäten/Institute/Kostenstellen der ZRZ bezahlt werden, und zwar in der Weise, dass geringere Inanspruchnahme gegenüber dem Istzustand Ende 2002 (virtuelles Budget) den Fakultäten usw. entsprechend gut geschrieben wird in Form der entsprechenden Aufstockung des normalen konsumptiven Budget, erhöhte Inanspruchnahmen jedoch aus diesem normalen Budget zu bezahlen sind. Auch hier soll das Prinzip gelten: Jede Fakultät/ jedes Institut soll nur für die Dienste in dem Umfange bezahlen, wie sie in Abweichung vom Status quo Ende 2002 in Anspruch genommen werden.

(C) Analyse, entlang signifikanter Passagen [kursiv und eingerückt gesetzt, d. Hg.] des Memorandums von Prof. Dr. Gizewski:

Bereits im nächsten Jahr sollen derartige Rechnungen auch tatsächlich bezahlt werden. Rechtliche Voraussetzung dafür ist nur noch die Verabschiedung einer Entgeltordnung durch den Akademischen Senat.

Diese Aussage ist unvollständig und produziert eine falsche Vorstellung. Sie ist in der Weise zu ergänzen, dass die Fakultäten für Dienste der Klasse 3, also etwa bisherige ZRZ-Files-Serverdienste etwa in Höhe ihrer bisherigen Inanspruchnahme Ende 2002 ein zusätzliches Budget erhalten, mit dem dann ab 2002 diese Dienste intern und extern realisieren können. Für die Fakultäten ändert sich also finanziell zunächst nichts, außer dass sie nun Wahlfreiheit haben.

Was die WWW-Server-Dienste betrifft, so gehören sie bisher zu den zentralen Grunddiensten der Universität. Das Rechenzentrum hält sie für den elektronischen Bereich deshalb gebührenlos vor, weil niemand ernstlich den hohen Nutzen dieser im letzten Jahrzehnt als wissenschaftlich produktiv, kosten- und arbeitssparend und trotz allem auch technisch zukunftsweisend erwiesenen Arbeitsgrundlage für den wissenschaftlichen Gebrauch in Frage stellen konnte und kann.

Der letzte Satz enthält zwei Tatsachenbehauptungen, die so nicht stimmen: Zum einen die, dass das ZRZ die Serverdienste deshalb gebührenlos vorhält, weil "niemand ernstlich ...konnte und kann". Diese Aussage stimmt in zweierlei Hinsicht nicht. Zum einen: Zumindest die Fakultäten (Fachbereiche)Informatik und Mathematik bestreiten seit langem ernstlich den Nutzen der vom ZRZ vorgehaltenen Dienste wegen fehlernder Wirtschaftlichkeit und meinen dies auch konkret belegen zu können (vgl. präsidialsamtsinterne Papiere der sog. Pepper-Kommission bis 1999). Zum anderen hat das ZRZ diese Dienste in erster Linie deshalb gebührenlos vorgehalten, weil sie dafür bisher auch im Wege der Vorwegzuweisung eigene Haushaltsmittel zugewiesen bekam mit der Auflage, dafür entsprechend zentrale Serverdienste vorzuhalten. Die Realität der letzten Jahre jedoch war, dass die beiden Fachbereiche Informatik und Mathematik die Dienste des ZRZ in der Klasse 3 und teilweise auch in der Klasse 2 aus fachspezifischen Gründen fast überhaupt nicht in Anspruch nahmen, weitere Fachbereich wie Physik und Chemie sowie die Ingenieurfachbereiche die Dienste des ZRZ lediglich bis schätzungsweise 50 % in Anspruch nahmen, diese jedoch indirekt voll mitfinanzieren mussten, weil ja die Vorabfinanzierung der ZRZ vor der Verteilung der übrigen Finanzmasse auf die Fachbereiche dazu führt, dass den Fakultäten, die die Dienste des ZRZ nicht voll in Anspruch nehmen können oder wollen, ihre Anteile an der Pauschalfinanzierung des ZRZ „verloren“ gehen, weil sie diese nicht in Anspruch genommen Dienste des ZRZ gleichwohl über eigene Server aus laufenden Haushaltsmitteln finanzieren.

(S.4)

Selbst die beiden geisteswissenschaftlichen Fachbereiche nahmen und nehmen nicht zu 100 % die pauschal vorfinanzierten Dienste des ZRZ in der Klasse 2 in Anspruch. Beide Fachbereich betreiben momentan sieben eigene Server, fünf davon wurden voll aus Mitteln beider Fachbereiche investiert. Schätzungsweise 30 % der Gesamt-Fileserver-Leistung wird auf diesen fachbereichseigenen Servern realisiert und "nur" etwa 70 % auf Servern des ZRZ. Bei den PC-Pool-Leistungen dürfte sich eine ähnliche Relation ergeben.

Diese Disproportionalitäten haben insbesondere bei den Fachbereichen Informatik, Mathematik, Physik, Chemie und auch bei den meisten Ingenieurfachbereichen zu wachsendem Unbehagen geführt. Die Geisteswissenschaften waren relativ gesehen, die Nutznießer dieses Zustands. Gleichwohl bestehen auch bei Ihnen Paralleldienste zu den Diensten des ZRZ, über deren Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit zunächst nichts ausgesagt werden kann, die aber zu überprüfen ist. So könnte es z.B. durchaus Sinn machen, den Anteil zentraler PC-Pool-Dienste zugunsten von PC-Pool-Diensten vor Ort zu erhöhen. Bei den File-Server-Diensten sieht es anders aus: Da könnte es zumindest in den Geisteswissenschaften ggf. durchaus wirtschaftlicher sein – technisch stellt dies sowieso kein Problem dar- , alle bisherigen fakultätseigenen Leistungen voll über die Server des ZRZ oder einer anderen Fakultät oder über externe Dienstleister abzuwickeln, je nachdem welche Alternative ein besseres Preis-Leistungsverhältnis bietet.

Solche Arbeitsmittel nunmehr durch 'Preise' (statt allenfalls durch sachlich angemessene 'Gebühren') belasten zu wollen, um etwa 'Kostenbewußtsein zu erzeugen' und dadurch erhöhte Haushaltseinnahmen oder Rationalisierungs- oder Einsparungeseffekte zu erzielen, bedeutet m. E. im wesentlichen keine Steigerung von Haushaltsmitteln und ist auch ein untaugliches Steuerungsinstrument, um zu wissenschaftlich sachangemessenen und vertretbaren Rationalisierungen und Einsparungen zu kommen. Es bedeutet vielmehr nichts anderes als ihren Gebrauch wissenschaftswidrig einzuschränken oder zu verhindern.

In diesem Abschnitt werden in vielfacher Hinsicht bloße Vermutungen bereits als Tatsachenbehauptungen dargestellt. Zunächst einige kritische Fragen: Was sind bitte "sachliche angemessene Gebühren“ ? Was ist der Maßstab für sachlich angemessen ? Wenn damit kosten- oder verursachungsadäquate Gebühren gemeint sein sollten, dann entspricht dies genau der Intention der Budgetierung. Hier geht es zunächst allein um sog. Kostenpreise und nicht um Marktpreise und um Kostenvergleich genau definierter Leistungen. Warum ist Budgetierung von vorneherein ein untaugliches Steuerungsinstrument gegenüber den bisherigen Mitteln der Kameralistik, deren Fehlsteuerungsfunktion einigermaßen nachgewiesen ist ? Was ist bitte „wissenschaftlich sachgemessen“? Was sind die Maßstäbe dafür ? Hier fehlen hinreichende und plausible Operationalisierungen. Was ist eine vertretbare Rationalisierung bzw. Einsparung ? Auch hier fehlen präzise Operationalisierungen. Die gehäufte Benutzung von derartigen sprachlichen Leerformeln dürfte nicht unbedingt überzeugend sein.

Der Satz "Es bedeutet vielmehr.....wissenschaftswidrig einzuschränken oder zu verhindern" beinhaltet eine Pauschalierung. Wissenschaftssprachlich exakter müsste es heissen: Aus folgenden Gründen .....bzw. unter folgenden Voraussetzungen und Bedingungen ... könnte es dazu führen, dass .....“. Hier, werden Vermutungen und Befürchtungen reproduziert, für die hinreichend Belege und Indikatoren fehlen.

Weiterhin: Es geht nicht um die "Steigerung von Haushaltsmitteln", sondern um die effektivere Nutzung vorhandener bzw. schrumpfender Haushaltsmittel, wobei die dadurch gewonnenen Finanzmittel – so die offizielle Philosphie des verstorbenen Präsidenten, die wahrscheinlich vom aktuell gewählten übernommen wird – zumindest zum Teil zur Förderung besonderer Leistungen in Lehre und Forschung in Form von Zielvereinbarungen benutzt werden sollen.

Die etwas abwertende Formulierung "etwa Kostenbewußtsein" könnte Anlass zur Vermutung geben, dass die Einsicht in den Ernst der Situation nicht besonders ausgeprägt ist. Mit "etwas mehr Kostenbewusstsein" gegenüber dem Status quo könnte vielleicht schon einiges an finanziellem Handlungsspielraum gewonnen werden.

Denn gleich wer nach dem drohenden 'Reformkonzept' der Universitätsspitze die Finanzierungsmittel für eine sog. 'Budgetierung' zugewiesen erhält, er soll und wird ja vor allem

(S. 5)

eines im Kopf haben: in Zeiten extrem knapper Mittel aus sog. 'Kostengründen' beim Gebrauch auch - und wenn sie ihm fremd sind - gerade dieser wissenschaftlich-arbeitswesentlichen Dienste auf 'Mittelersparnis' zu drängen. Die angedachte Aussicht darauf, derartige Fragen künftig auch noch in Fakultätsräten diskutieren und innerhalb von Fakultäten organisieren zu müssen, würde daran überhaupt nichts ändern - und im übrigen m. E. für die Gesamtuniversität gegenüber der jetzt gegebenen prinzipiell sinnvollen, zentralen Rechnerlösung nur Kostensteigerungen bringen.

Hier wird mit einer Reihe von Vermutungen bzw. Unterstellungen gearbeitet. Zunächst läuft das Budgetierungskonzept nicht auf „Mittelersparnis“ um jeden Preis hinaus, sondern auf kosteneffektivere Mittelverwendung. Zum anderen: Woher weiß der Autor a priori so genau, dass die Tatsache, dass die Mittelverwendung dezentral in den Fakultäten erfolgen soll, gegenüber der gegebenen zentralen Lösung „nur Kostensteigerungen“ bringen würde. Diese Aussage mag durch entsprechende Erfahrungen des Autors im früheren Fachbereich 1 präformiert sein, dies zum Anlass für eine Pauschalierung zu nehmen, dürfte jedoch nicht angemessen sein.

Die Formulierung "prinzipiell sinnvolle, zentrale Rechnerlösung" enthält ebenfalls eine Pauschalierung, für die objektivierbare Belege fehlen. Es handelt sich um eine subjektive Einschätzung.

Nachvollziehbar ist die Einschätzung, dass die Gefahr besteht, dass in Fakultäten bzw. in Fakultäts- und Institutsräten, die womöglich mehrheitlich aus Mitgliedern bestehen, die keine Erfahrung mit der Nützlichkeit von IT-Diensten haben, sich diese Tatsache negativ auf die finanzielle Förderung dieser Dienste auswirken könnte. Damit wird jedoch ein Grundproblem demokratischer Entscheidungsprozesse hinsichtlich ihrer „Weisheit“ angesprochen.

Der jeweils Verfügungsberechtigte wird sich also tendenziell 'notgedrungen' wie ein Rasenmäher gerade dort einschneidend wissenschaftswidrig verhalten, wo ein gegenteiliges Verhalten nötig wäre. Außerdem werden voraussichtlich diejenigen Wissenschaftler auf der Strecke bleiben oder faktisch stark behindert werden, die keinen eigenen direkten Zugang zu Haushaltsmitteln haben bzw. erhalten werden - wie z. B. außerplanmäßige Pofessoren und andere 'nebenberufliche' Hochschullehrer oder Angehörige des Mittelbaus. Sie werden schlechtestenfalls - d. h. wenn ihnen Haushalsmittel nicht 'überlassen' werden - vor die Wahl gestellt sein, für ihre elektronisch-wissenschaftlichen Arbeiten entweder private Mittel einzusetzen oder sie eben einzustellen oder unsachgemäß bis zum äußersten zu reduzieren.

Dieser Passus enthält ebenfalls eine Reihe unzulässiger Verallgemeinerungen, verständlich vielleicht auf dem Hintergrund negativer persönlicher Erfahrungen im Einzelfall.

Ernst zu nehmen ist die Frage des Zugangs zu Haushaltsmitteln für apl-Professoren und Lehrbeauftragte. Hier dürfte der eigentliche rationale Kern des Memorandums von Prof. Dr. Gizewski liegen. Seine emotionale Besetzheit könnte auch die vielen Pauschalierungen verständlich machen. Angehörige des Mittelbaus allerdings haben in der Regel Zugang zu Haushaltsmitteln und werden in auch künftig haben, eventuell strenger angebunden an Hochschullehrer-Kostenstellen als bisher.

Hier handelt es sich um ein generelles hochschulpolitisches Problem. Wenn auf hochschulpolitischer Ebene keine im Sinne der Betroffenen positive Lösungen gefunden werden kann, so hält die mit der Budgetierung parellel laufende Dezentralisierung der "Finanzhoheit" auf Fakultäts- und Institutsräte immerhin die Möglichkeit offen, die Finanzierung der Nutzung von IT-Diensten für diesen Personenkreis zumindest in dem bisherigen Umfang zu gewährleisten.

Was die Folgen der jetzt angedachten künstlichen 'Preisbildung' betrifft, so ist m. E. insbesondere folgendes zu befürchten:

Es handelt sich nicht um „künstliche Preisbildung“, sondern es geht um Kostenpreise nach dem Kostenverursachungsprinzip.

Die heute aufgrund der neuen Technik überall eindrucksvoll gewachsenen - und

(S. 6)

hochschulpolitisch so häufig beschworenen -Möglichkeiten des interdisziplinären, überörtlichen und internationalen wissenschaftlichen Austauschs werden aus Kostengründen eingeengt oder abgestellt werden.

Die neuen und gegenüber dem Buch- und Zeitschriftenwesen nicht nur komplementären, sondern teilweise erheblich fortschrittlicheren und freieren Formen wissenschaftlichen elektronischen Publizierens werden empfindlich eingeengt und reduziert werden, dabei vielleicht auch aus irgendwelchen wissenschaftsfremden Gründen, die bis in den Universitätsbereich durchschlagen.

Allgemeinnützliche wissenschaftliche Datensammlungen und Register auf elektronischer Basis werden nicht einmal mehr für den internen Universitätsgebrauch kostenmäßig realisierbar sein.

Die erheblichen qualitativen Verbesserungen und Erleichterungen des Lehrbetriebs, die über die Erstellung von WWW-Seiten und die Nutzung der elektronischen Post ermöglicht werden, werden teilweise wegfallen oder durch Verteuerung unsinnig erschwert sein.

Die auf der Basis der neuen Technik speziell für wissenschaftliches Arbeiten bestehenden vielseitigen Möglichkeiten, den Kosten- und Zeitaufwand zu verringern, werden teilweise nicht mehr genutzt werden und darüber hinaus ihre Attraktivität für solche Nutzer verlieren, für die sie heute interessant werden könnten.

Hier wird ein Katastrophenszenarium aufgebaut, für dessen Zwangsläufigkeit oder auch nur Wahrscheinlichkeit hinreichend plausible, weil konkret objektivierbare Belege fehlen.

Eine gewisse Plausibilität könnte die Befürchtungt haben, dass dadurch, dass die Kostenstrukturen über die Budgetiserung sichtbar werden, die IT-Dienste einem verstärkten Legitimationsdruck unterliegen dürften. Dies gilt jedoch im Rahmen der Budgetierung in gleichem Maße für alle Leistungen im Konkurrenzfeld von Lehre und Forschung.

Betroffen sind in all diesen Fällen wirklich existente, erhebliche, unbestreitbare Nutzeffekte und Werte, die sich aber bedauerlicherweise nur ganz partiell und im übrigen prinzipiell gar nicht in 'Kennziffern' ökonomischer Kosten- und Nutzenrechnung umrechnen lassen.

Der Satz "die sich .. nur ganz partiell und im übrigen prinzipiell gar nicht ..." enthält einen logischen Widerspruch: "ganz partiell" und "prinzipiell nicht" schließen sich wechselseitig aus.

Die meisten Versuche derartiger 'Evaluation' kommen im wissenschaftlichen Bereich m. E. bei der Entwicklung zuverlässiger Meß-Kriterien ('Kennziffern') nicht weiter.

Konsens dürfte darüber bestehen, dass die Bewertung immaterieller Güter, zumal wenn kein echter Markt für sie vorhanden ist, schwieriger ist als bei materiellen Gütern, für die ein Markt vorhanden ist. Gleichwohl gibt es inzwischen durchaus valide und reliable Indikatoren-Messverfahren auch für wissenschaftliche Leistungen. Die momentan gern benutzten Ranking-Verfahren sind dafür nicht unbedingt die besten Beispiele. Dieser Punkt bedürfte der Fundierung durch eine tiefergehende Analyse vorliegender Untersuchungen und Ansätze.

Ich führe das darauf zurück, daß die heute übermäßig weit verbreitete ökonomistische Einordnung wissenschaftlichen Handelns teilweise aporetisch, ja marktideologisch verblendet ist: 'der Markt' regelt eben nicht alles. Was er im Wissenschaftsbereich zu regeln Gelegenheit erhält, das regelt er - wie anderwärts - sachlich u. U. völlig unvernünftig.

Gegenthese: Der Markt regelt sicher nicht alles, aber er könnte vielleicht einiges besser regeln als es bisher geregelt wird, wenn nur mehr Markt zugelassen würde. Damit dies nicht weiter a priori als „marktideologisch verblendet“ denunziert werden kann, wäre es an der Zeit, einfach mal zuzulassen, dass sich marktwirtschaftliche Denkweisen und Handlungsmuster praktisch-empirisch beweisen können. Für mich ist dies keine ideologische, sondern eine empirische Frage. Erfahrungen aus anderen Wissenschaftskulturen wie den USA auch bei staatlichen Universitäten sprechen eher dafür als dagegen.

(7)

Was sind bitte die Kriterien für "sachlich unvernünftig"? Vernünftig oder unvernünftig für wen?

Ökonomisch im engeren Sinne bewerten läßt sich im Wissenschaftsbereich m. E. jedenfalls nur das, was sich auch wirklich verkaufen läßt. Der größte Teil der wissenschaftlich und damit gesellschaftlich produktiven Arbeit - bei den Geisteswissenschaftlern schätzungsweise zwischen 90 und 95 % - läßt sich aber, obschon wert- und sinnvoll, überhaupt nicht verkaufen.

Für wissenschaftliche Leistungen im Bereich von Natur-, Ingenieur-, Medizinwissenschaften usw. gibt es durchaus einen Markt, selbst für Teilbereich der Geisteswissenschaften gibt es kleinere Märkte (Beispiel: Sprachwissenschaften). Aber auch die Bereiche, für die es keine Märkte gibt, etwa bei den sog. Orchideenfächer, unterliegen einer gesamtgesellschaftlichen Bewertung über die Frage ihrer gesellschaftlichen Nützlichkeit. Und dies ist in einem demokratischen Gemeinwesen auch gut so, weil diese Fächer ja auch gesellschaftlich aus Steuermitteln alimentiert werden. Die Frage, ob eine Disziplin "wert- und sinnvoll" ist, wird ein Vertreter der jeweiligen Disziplin sicher anders beantworten als etwa der "gemeine Mann auf der Straße" oder die Vertreter anderer Disziplinen. Sich allein auf Selbstbewertungen zu verlassen ist immer problematisch. Was in einer Demokratie zählt ist letztlich die gesamtgesellschaftliche Bewertung, die sich durchaus empirisch festmachen läßt.

Nur wissenschaftliche Leistungen, die sich verkaufen lassen, sind aber ggf. durch Abgaben belastbar.

Es geht hier nicht um Belastung durch Abgaben, sondern um die Zurechnung von Kosten zu Leistungen. Die ist zugegebenermaßen schwierig, aber nicht unmöglich.

Die Universität ist nicht umsonst eine Körperschaft öffentlichen Rechts, die unter Finanzierung durch öffentliche Mittel auf spezifisch wissenschaftliche Weise dem Gemeinwohl dient und spezifisch wissenschaftliche Werte schafft. Sie ist in ihren wesentlichen Zügen eben kein Wirtschaftsunternehmen.

Dass wissenschaftliche Institutionen von ihrer gesellschaftlichen Aufgabenstellung her keine Wirtschaftsunternehmen sind, bedeutet nicht, dass sie sich nicht nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip zu richten brauchen. Im Gegenteil: Gerade weil sie mit „fremdem Geld“ aus Steuermitteln alimentiert werden, besteht eine besondere Verpflichtung zur wirtschaftlichen Mittelverwendung.

Der pauschale Verweis auf "Gemeinwohl" macht sich zwar immer gut, wir oft jedoch als "Killerphrase" missbraucht. Was Gemeinwohl ist und ob es tatsächlich vorliegt, kann nicht allein denen überlassen bleiben, die es behaupten.

Kostensparende Rationalisierungs- und Einsparungsprozesse werden damit für diesen Bereich, da wo sie wissenschaftlich sinnvoll und möglich sind, in ihrer Notwendigkeit nicht bestritten.

Wer bestimmt, wo und wann diese Prozesse „wissenschaftlich sinnvoll“ sind? Was sind die konkreten Kriterien (Indikatoren) für „wissenschaftlich sinnvoll“? Derartige Leerformel helfen nicht weiter.

Sie können aber nur über moderate, gebrauchssteuernde und wirklich zielführende Gebührenerhebungen oder über Organsiationsanweisungen erreicht werden. Über eine angedachte 'Preis-Bildung' wie die jetzt drohende können sie im Wissenschaftsbereich nicht sachlich sinnvoll gesteuert werden.

Was sind die Kriterien (Indikatoren) für „moderat“ und „im Wissenschaftsbereich nicht sachlich sinnvoll“ ? Die Offenlegung der Kostenstrukturen für IuK-Dienste und die Zurechnung dieser Kosten nach dem Kostenverursachungsprinzip auf definierte Leistungen könnte durchaus „zielführend“ im Hinblick auf eine Veränderung des Verhaltens im Sinne eines verantwortlicheren Umgangs mit öffentlichen Ressourcen sein. Inwieweit dies tatsächlich sein wird, ist eine empirische Frage, die sich a priori nicht beantworten läßt.

Wissenschaftler sollten sich gemeinsam zumindest für den von ihnen überschaubaren

(S. 8)

wissenschaftlichen Bereich zu einer grundsätzlichen Kritik und womöglich Illoyalität gegenüber ideologischen Zumutungen verpflichtet fühlen, die niemand versteht und m. E. auch niemand verständlich erklären kann.

Also dies sind schon ein paar harte Brocken. Zunächst einmal wieder eine doppelte Pauschalierung: Wenn Herr Gizewski dies nicht versteht, kann er daraus weder schlussfolgern, dass es niemand versteht, noch dass es niemanden gibt, der dies verständlich erklären kann. Wenn er dies nicht verstehen sollte, könnte es ja auch singulär an Herrn Gizewski liegen.

Was den Terminus "ideologischer Zumutung" betrifft, wäre zunächst zu klären, welche Definition von Ideologie hier verwendet wird. Im Bereich der Ideologieforschung gibt es ein breites Definitionssprektrum, das vom Ideologiebegriff der Frankfurter Schule bis zum wissenssoziologischen Ideologiebegriff reicht. In jedem Falle eignet sich ein unbestimmt gelassener Ideologievorwurf immer sehr gut als "Killerphrase".

Der Aufruf zu "Illoyalität" sprengt nach meinem Empfinden deutlich den Rahmen der Verhältnismäßigkeit der Mittel. In den hier anstehenden Fragen geht es weder um die grundsätzliche Bedrohung der Freiheit der Lehre und Forschung noch anderer grundgesetzlich garantierter Rechte.

Es gibt darüberhinaus aber auch keine tragfähige öffentlich-rechtliche Grundlage dafür, die wissenschaftlichen Nutzer etwa von WWW-Servern mit etwas zu belasten, das weder sinnvoll gebrauchssteuernde Gebühr noch wirklicher Marktpreis ist, sondern im Grunde die Amortisation öffentlicher Investitionen auf die Nutzer überwälzen soll oder sich gar an Grenznutzen-Aspekten der 'Preisbildung' auf dem sog. 'freien' Markt orientiert, ohne das nach Maßstäben des öffentlichen Rechts überhaupt oder in dieser Weise zu dürfen. Im Rahmen einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft dürfen nach dem dort geltenden Verwaltungsrecht Gebühren nur zu bestimmten Zwecken und nur mit bestimmten funktionsgerechten Beschränkungen erhoben werden. Die Erhebung einer Gebühr darf insbesondere der Zwecksetzung einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung nicht diamentral widersprechen. Das ist aber bei einem 'Preis'-Ansatz etwa für WWW-Rechner-Leistungen, wie er jetzt in den 'modellartigen Rechnungen' an die Nutzer erscheint, m. E. deutlich der Fall.

Es geht nicht um die Erhebung von Gebühren, sondern um die Zurechnung von nachweisbaren Kosten zu definierten Leistungen,, um Kostenpreise nicht um Marktpreise. Der Zweck dieser Zurechnung ist auch eindeutig, sie dient dem Ziel der Gewinnung von finanziellen Handlungsspielräumen, um drohende Einschränkungen von Lehre und Forschung zu mildern. Dies steht durchaus im Einklang mit der Zwecksetzung von Universitäten. Da im Zuge der Verwaltungsreform in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes in Berlin momentan in ähnlicher Weise die Gebühren öffentlicher Leistungen nach Kostenkriterien ausgelegt werden, kann bezweifelt werden, dass es dafür keine „keine tragfähige öffentlich-rechtliche Grundlage“ gibt.

Ein Beispiel zur Anschauung: Der investive und sonstige Aufwand für die 'Grundbetreuung' der nomalen WWW-Dienste an der ZRZ der TU Berlin, d. h. dafür, dass sie überhaupt universitätsweit funktionieren, hat folgende Gestalt: Es handelt sich um zwei jeweils über sechs Jahre abgeschriebene Maschinen zum Anschaffungspreis von je 30000,- DM.

Im öffentlichen Bereich gab es bislang überhaupt nicht den Begriff der Abschreibung, weder den steuerrechtlichen noch den betriebswirtschaftlichen. Er macht im Rahmen der Kameralistik überhaupt keinen Sinn. Sinn macht er nur im Rahmen eines auch nach betriebswirtschaftlichen Kriterien ausgelegten Budgetierungsmodells.

Hinzukommen der Software- und der Wartungsaufwand einschließlich der Kosten für die 'Backup'-Dienste, die Mietkosten für den Serverraum, die Kosten für Strom- und Notstromversorgung u. a.

In der Betriebswirtschaftslehre wird ein deutlicher Unterschied zwischen Aufwand und Kosten gemacht. Beide Begriffe werden nur umgangssprachlich synonym verwendet.

(9)

Zur laufenden Betreuung der beiden Maschinen wird derzeit im wesentlichen eine studentische Hilfskraft auf einer Teilzeitstelle eingesetzt. Von diesen sicherlich nicht geringen (aber dennoch sparsam konzipierten) 'Grundbetreuungskosten', für die rechtlich primär die öffentliche Hand aufzukommen hat, welche die Universitäten ausstattet, sind die durch einen Nutzungsgebrauch direkt entstehenden Kosten kaum unterscheidbar. Ein Mehr oder Weniger an Nutzung macht sich in den Betriebskosten nur dort wesentlich bemerkbar, wo Nutzer besondere Aufwendungen und Leistungen für sich benötigen. Eine fast beliebige Erweiterung der Speicherkapazität auf den Server-Maschinen, die im Augenblick allerdings überhaupt nicht nötig ist, würde kaum nennenswerte Kosten bereiten. Die Betreuungsansprüche der Nutzer von sog. A-Zulassungen sind typischerweise gering. Es liegt im Rahmen des jetzt drohenden 'Preis'-Konzepts insoweit zwar nahe, wäre aber schon für sich genommen ungerechtfertigt, die gesamten Investitions- und Betriebskosten - statt der tatsächlich verbrauchsabhängigen Kosten - nach einem angeblich verbrauchsbezogenen Schlüssel auf die Nutzer umzurechnen.

Wenn sich der Autor schon auf eine betriebswirtschaftliche Argumentation einlässt, - was nach dem Vorhergesagtem schon bemerkenswert ist – dann aber bitte konsequent und professionell. Zu den Gesamtkosten gehören in einer betriebswirtschaftlich ausgelegten Kosten- und Leistungsrechnung natürlich auch anteilige Investitionskosten genau so wie die laufenden Personal- und Betriebskosten. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch diese oder jene Kosten sind und wie die sog. Kostenelastizität bei unterschiedlichen Kapazitätsauslastungsgraden ist. Betriebswirtschaftlich ist es nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar geboten, die anteiligen Investitions- und die gesamten Betriebskosten eines Zeitraumes, etwa eines Wirtschafts-/ Haushaltsjahres in die Kosten-Leistungsrechnung einzustellen.

Hinzukommt aber, daß diese allenfalls nur mit wissenschaftlich sachgemäß angesetzten, d. h. moderaten, wirklich zielführenden Gebühren belastet werden dürften.

Die Sache mit "wissenschaftlich sachgemäß" und "moderat" bzw. "zielführende Gebühren" hatten wir ja schon mal (s.o.). Argumente werden durch erneutes Wiederholung allein noch nicht besser; Gegenargumente allerdings auch nicht. Deshalb werden sie hier nicht mehr wiederholt.

WWW-Seiten nach ihrem Umfang zu besteuern, ist beispielsweise weder eine wirklich verbrauchsabhängige noch eine wissenschaftlich akzeptable Gebührenerhebung.

Der Begriff "besteuern" dürfte in diesem Zusammenhang absolut deplaziert sein. Es geht weder um Steuern noch um Gebühren, sondern um die Zurechnung von Kosten.

Der vergleichende Hinweis auf die 'Preisbildung' in der Privatwirtschaft für 'ähnliche Leistungen' hat für den öffentlich-rechtlichen Bereich der Wissenschaft keine Überzeugungskraft, da dort das sog. 'Grenznutzen-Prinzip' sinnvollerweise nicht gelten kan und damit auch rechtlich nicht gelten darf.

Die Grenznutzentheorie oder das Grenznutzenprinzip ist lediglich ein tradiertes analytisches Konstrukt der Volkswirtschaftstheorie, das in der Praxis betriebswirtschaftlicher Kosten- und Leistungsrechnung überhaupt keine Rolle spielt. Allerdings werden bestimmte Formen der sog. Teilkostenrechnung häufig auch als Grenzkostenrechnung bezeichnet, etwa dann wenn unter der Prämisse linearer Kostenverläufe nur die beschäftigungsvariablen Kostenanteile auf die Kostenträger verrechnet werden.

Derartiges ist im Rahmen der Budgetierung überhaupt nicht vorgesehen, es dürfte im universitären Bereich auch nicht zweckdienlich sein. Hier wird eine Absicht unterstellt, die überhaupt nicht gegeben ist und für die sich überhaupt kein Beleg nachweisen läßt, also eine klassische Hypostasierung. Es geht nicht um das Modell der "Preisbildung der Privatwirtschaft" über Märkte, sondern um Kostenpreise, die allerdings auch in Vergleich gesetzt werden sollen zu Marktpreisangeboten universitätsexterne Dienstleister etwa von Serverdiensten. Dies liegt in der Logik der Budgetierung: Dienstleistungen dort "einzukaufen" wo das günstigste Preis-Leistungsangebot vorliegt.

(10)

Ich schlage angesichts der drohenden Entwicklung folgendes vor: ...

Die Vorschläge werden weder kommentiert noch bewertet. Der Stellungnahme der IuK-Kommission Fakultät 1 für den Fakulitätsrat ist zu entnehmen, inwieweit die Vorschläge berücksichtigt werden konnten.

6) Auf die Stellungnahme des Vorsitzenden der IUK-Kommission vom 14. Juni antwortete der darin Angesprochene am 16. Juni 2002 in einem Rundbrief an die Angehörigen der Fakultät I wie folgt:

Christian Gizwski etc. ....

Sehr geehrte Damen und Herren!

Zu der am 19. Juni bevorstehenden Sitzung des Fakultätsrats erlaube ich mir, Sie auf ein von mir erarbeitetes Papier "Elemente eines Nutzungskonzepts für elektronische Kommunikation an der Fakultät I der TU Berlin", abrufbar unter

http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/P7.htm ,

aufmerksam zu machen, das die Kritk des Ihnen früher bekanntgemachten Papiers "Falsche Preise, unzulässige Gebühren? Appell zur weiterhin wissenschaftsgemäßen Gestaltung der elektronischen 'Grunddienste' an der TU Berlin", abrufbar unter http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/P6.htm , mit einigen konstruktiven Alternativorschlägen weiterführt.

Die von dem IuK-Vorsitzenden Herrn Stiehl bekanntgemachte Gegenkritik an meinem ersten Papier vom 14. Juni 2002, die er als Konzept für ein IuK-Gefüge an der Fakultät vorgelegt hat, finden Sie auf einem von ihm selbst eingerichteten Diskussionsforum

http://www.tu-berlin.de/fb2/medho/IuK-Fak1/IuK-Infrastruktur.htm

und ebenso unter der von mir organisierten Forumsadresse, dort in Verbindung mit einer Antwort vom 16. Juni 2002 meinerseits:

http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/SOzuP6/ForumP6.htm .

Ich meine, es geht hierbei nicht primär um persönliche Positionen und bitte insoweit um Verständnis, wenn ich Ihnen die Lektüre längerer Papiere nahelege bzw. anbiete.

Ich bitte Sie, soweit Sie es ermöglichen können, zu der Fakultätsratssitzung zu erscheinen und dort, soweit möglich, das Wort zu ergreifen.

Mit freundlichen Grüßen

C. Gizewski

ANLAGE zum Rundbrief Gizewski vom 16. Juni 2002.

Meine Kritik richtet sich gegen eine gegnerische Position, die der Vorsitzende der IuK-Kommission der Fakultät I und Angehörge des IuK-Beirats beim TU-Präsidenten mitentwickelt hat und weiterhin vertreten will, nicht gegen seine Person, seine Fähigkeiten oder seinen verdienstvollen Einsatz in Angelenheiten der elektronischen Kommunikation an der Fakultät I. Ich hoffe nicht, daß die Rücktrittsmitteilung Herrn Stiehls im Zusammenhang mit meiner Kritik steht, und möchte ihm deswegen, was mich betrifft, nahelegen, in seinen Funktionen zu bleiben. Ich habe über ihn, wo immer die Sprache auf ihn kam, nur Freundliches und Anerkennendes gehört.

Zu meinen Motiven möchte ich meinerseits folgendes klarstellen. Ich bin Wissenschaftler zwar mit dem gesetzlichen Titel 'Professor', aber im hochschulrechtlichen Status eines 'außerplanmäßigen Professors', d. h. ohne Dienststellung und im wesentlichen ohne Einkommen aus seiner (dennoch ständig ausgeübten) wissenschaftlichen Tätigkeit. Von 'Ängsten' als bestimmendem und blindmachendem Motiv meiner Kritik kann bei meinem Lebenslauf und Status überhaupt keine Rede sein, allenfalls von sachlich berechtigten Befürchtungen und - gefühlsmäßig - von Grimm, tiefreichender Abneigung und Bereitschaft zur aktiven Abwehr gegenüber einem erneuten Versuch, die Wissenschaft und nicht wenige Wissenschaftler mit einem m. E. völlig unangemessenen Konzept zu drangsalieren und für die Interessen der davon letztlich Betroffenen nur ein mehr oder weniger achselzuckendes, modelloptimistisches 'wer weiß' übrig zu haben.

Aus Abneigung gegen derartiges 'neues Modelldenken' habe ich mich bereits früher u. v. a. etwa auch

gegen eine 'kennziffernmäßige' sog. 'Evaluierung' im Hochschulbereich und

gegen die vor kurzem verabschiedete 'Hochschulrahmenrechtsnovelle' ausgesprochen,

wie ich meine, stets mit dem Bemühen um eingehende und ausreichende Begründungen. Ich bitte, diese frühere Kritik im Zusammenhang mit meiner jetzigen zu sehen und sich ggf. unter http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Cricetus/CRIC.htm darüber zu vergewissern.

In zwei kurzen - aber von ihren Lesern vermutlich immer noch als zu lang empfundenen - Papieren habe ich jetzt versucht, dieser, wie ich meine, vor allem im Hinblick auf die Wahrung der Wissenschaftsfreiheit (Art. 5 GG) wichtigen Aufgabe gerecht zu werden. Dabei habe ich es notwendigerweise unternommen, auch wirtschaftliche Modell-Überlegungen, weil deren angeblicher Nichtnachvollzug Geisteswissenschaftlern immer wieder einmal - ein wenig voreingenommen - vorgehalten wird, zu überprüfen und meine Kritik daran konkret, verständlich und kurz zu formulieren. Was die gegnerische Kritik in meinem Papier an 'Operationalisierung' vermißt oder als unsubstanziierte Bewertung, 'Leerformel', 'Pauschalierung', 'Killerphrase', ja als unbegründete 'Unterstellung' nicht hätte mißverstehen müssen, läßt sich gern ausführen, falls es wirklich jemand lesen will.

Die Sprache, in der man in akademischen Diskussionszusammenhängen über das vom Präsidenten der TU dem Zentralen Rechenzentrum aufgegebenen Konzept reden muß, kann nicht mehr und sollte nicht weniger als eine klare Umgangssprache mit hinreichend genauen, unter Verständigungswilligen verständlichen Begriffen sein. Den Gebrauch bestimmter wirtschaftswissenschaftlicher Terminologien dafür zu fordern, ist im vorliegenden Diskussionszusammenhang mit seinem fachgrenzüberschreitenden, praktischen Rahmen nicht nur unsinnig im Sinne einer Verständigung zwischen verschiedenartig Vorgebildeten, sondern eine Zumutung an alle, die sie nicht in ausgeprägter Form kennen, aber sich dennoch ein - etwa ihr amtliches - Verhalten bestimmendes eigenes Urteil bilden müssen. Sonst hätten in dieser Sache letztlich nur die ausgebildeten Wirtschaftswissenschaftler das Sagen. Ferner geht es im vorliegenden Falle um Meinungsbildung in der akademischen Öfffentlichkeit. Man sollte dabei auch deutliche und engagierte Worte zulassen.

Wer im Universitätsbereich ein wirtschaftliches 'Modell' bestimmten theoretischen Zuschnitts, falls es sich im vorliegenden Falle wirklich um so etwas handeln sollte, mit praktisch erheblich einschneidenden Folgen hochschulpolitisch verwirklichen will, muß die davon Betroffenen in verständlicher Form überzeugen, daß es sich um ein richtiges Modell handelt und warum es wirklich besser ist als bisherige abgeblich unverbesserbare Formen wissenschaftlicher Organisation. Wenn sie nicht überzeugt sind, sollten sie auch nicht zustimmen.

Meine grundsätzlichen Bedenken gegen die Anordnung des Präsidenten an das Rechzentrum haben sich nach der gegnerischen Begründung nicht vermindert, sondern verstärkt.

1. Der Hinweis der Stellungnahme (S.1, zu A) auf die "dramatische" wirtschaftliche Lage des Landes Berlin begründet argumentativ überhaupt nicht die Einführung für sparsame Mittelverwendung unnötiger und wissenschaftsorganisatorisch kontraproduktiver Abrechnungsmodelle und -prozeduren an den Universitäten, auch nicht als besonderer 'Notstandsmaßnahmen'. Auch wenn landespolitisch besondere haushaltswirtschaftliche Schwierigkeiten zu meistern sind, sollte man vielmehr nicht den Blick für das ständige Bestreben der Politik verlieren, heute einen ihr nach Art 5 GG nicht zustehenden Einfluß auf die Selbstbegründung der Wissenschaft zu erweitern und dafür auch Notstandssituationen zu nutzen.

2. Die gegnerische Stellungnahme behauptet, es gehe 'nur' um sog. 'Kostenpreise', bei denen Sach- und Personalkosten wissenschaftlicher Einrichtungen in vollem Umfang, aber nur modellhaft auf deren Angehörige umgerechnet werden. Sie geht auf meine dagegen vorgetragenen Argumente an keiner Stelle ein, sondern betreibt statt dessen ein wenig fachbegriffliche Nebelwerferei undSchulmeisterei. Ich wiederhole deshalb meine Auffassungen:

a) Es geht dem 'Modell' m. E. im wesentlichen nicht um die von der gegnerischen Stelungnahme sogenannten 'Kostenpreise', also irgendwelche mehr oder weniger fiktiven Berechnungsgrößen, sondern letztlich um reale 'Preise', 'Gebühren', 'Entgelte oder derartiges, das auch genommen werden soll. Was soll sonst die Androhung des IuK-Beirats-Konzepts vom 2. 8. 2002, vom Jahre 2004 an würden die einstweilen 'virtuell' gestellten Rechnungen auch wirklich eingezogen werden? Warum dann nicht hier und heute eine verbindliche, deutliche Klarstellung der Universitätsspitze, die alle Mißverständlichkeiten für alle überschaubare Zukunft beseitigt? Statt dessen findet man aber in der gegnerischen Stellungnahme mehr oder weniger deutliche Hinweise auf künftig zu deckelnde 'Verbrauchskontingente', 'zu gewinnende finanzielle Handlungsspielräume', gar eine zusätzlich 'leistungsmotivierende' Neuverteilung von Haushaltsmitteln. Wer soll das mit welcher Kompetenz entscheiden? Das alles wären m. E. im Ansatz einschneidende, wissenschaftsungemäße Steuerungsmaßnahmen. Sie wären ganz unnötig, wenn es lediglich darum ginge, das 'Bewußtsein' notwendigen sparsamen Umgangs mit öffentlichen Mitteln zu schärfen. Es geht offenkundig aber um eine letztlich wissenschaftsfremde und wirtschaftlich unnötige Steuerung und reale Beeinträchtigung wissenschaftlicher Arbeit mit fiktiven Kostenbegründungen. Das war und ist der Punkt, um den es mir geht. Ich habe dazu am konkreten Beispiel der WWW-Serverdienste der ZRZ Stellung genommen. Die gegnerische Stellungnahme hat meine Argumente in diesem wichtigen und allen zur besonderen Aufmerksamkeit empfohlenen Punkte weder aufgenommen noch widerlegt.

b) Ich bleibe ferner dabei, daß die Umrechnung der gesamten Personal- und Sachkosten einer wissenschaftlichen Einrichtung öffentlich-rechtlichen Charakters auf ihre Angehörigen der öffentlich-rechtlichen Organisationsform der Universitäten widerspricht und daß folglich schon eine 'virtuelle' Umrechnung dieser Art im Ansatz rechtswidrig ist, insbesondere wenn sie offenkundig lediglich den Zweck vefolgt, eine beabsichtigte spätere tatsächliche Umrechnung ihren akademischen Erziehungsobjekten einzugewöhnen. Sie ist auch verfassungsbedenklich im Hinblick auf Art. 5, Abs. 3 GG. Die rechtliche Ausführung kann an dieser Stelle nicht erfolgen. Ich bin jedoch gern bereit, sie vorzunehmen und vor Gericht vorzutragen.

3. Zur künftigen Stellung der ZRZ habe ich in meinen oben erwähnten Papieren Gegenvorstellungen zum IuK-Beirats-Modell entwickelt. M. E. sollten primär wissenschaftliche Gründe darüber entscheiden, ob besondere Server im Universitätsbereich neben dem Zentralen Rechenzentrum nötig sind. Unter wirtschaftlichen Aspekten eines Gesamtuniversitätshaushalts leuchtet mir allerdings nicht ein, warum man nicht sämtliche Serveraktivitäten bei der ZRZ vereinigen und diese entsprechend zweckgerichtet mit Sach- und Personalmitteln ausstatten kann, die sie schon heute dringend benötigt. Das im gegnerischen Papier vertretene Konzept einer fakultätseigenen Serverorganisation in derzeit acht verschiedenen Fakultäten bei Fortbestand eines letztlich doch immer hilfsweise zuständigen Zentralen Rechenzentrums halte ich insoweit für nicht überzeugend.

4. Was die absehbaren Negativfolgen des IuK-Beirats-Modells betrifft, so ist S. 5 der gegnerischen Stellungnahme mit ihrem Verweis 'Modellbetroffener' auf 'Grundprobleme demokratischer Entscheidungsprozesse' bzw. 'generelle hochschulpolitische Probleme' wenig vertrauenerweckend. Das von der gegnerischen Stellungnahme damit konzedierte mögliche Eintreten einschneidender Negativfolgen für bestimmte Betroffenengruppen ließe sich bei Fortführung der bestehenden, rechtsgemäßen und im ganzen bewährten, wenn ggf. auch verbesserungsfähigen 'IuK-Struktur der Universität - vermeiden. So halten es auch die benachbarten Universitäten im Berliner Raum. Zu Verbesserungsmöglichkeiten habe ich in meinem letzten Papier Stellung genommen.

5. Die Art, in der die gegnerische Stellungnahme für eine ökonomische "neue Legitimation" der Wissenschaften nach einem 'Kosten-Leistungs-Verhältnis' plädiert, ohne doch angeben zu können, wie das sowohl mit 'operablen' wirtschaftlichen Kriterien als auch wissenschschaftsgemäß geschehen kann (S. 1 und 7), liefe bei Verwirklichung m. E. auf nichts anderes als darauf hinaus, die gesellschaftlich heute wohlbedacht anerkannte Form der Geisteswissenschaften ungerechtfertigt zugunsten eines wissenschaftlichen Werten gegenüber indifferenten oder gar desinteressierten Ökonomismus zu beeinträchtigen. Der Steuerzahler und / oder die Unternehmerverbände können offenkundig auch nicht alles an gesellschaftlicher Wertschöpfung genau beurteilen, worüber sie öffentlich reden. Ihren auf ihre Weise sicherlich ernstzunehmenden Einschätzungen gegenüber gibt es - was die Wissenschaft betrifft - m. E. ernster zu nehmende Stimmen, so etwa im Deutschen Hochschulverband.

Die Geisteswissenschaften in allen ihren Zweigen bedürfen einerseits in ihrer Wissenschaftlichkeit keiner anderen Legitimation gegenüber Politik und Gesellschaft als der bisherigen, in ihren eigenen, ggf. optimierbaren akademischen Selbstdarstellungs- und Prüfverfahren nachvollziehbaren. Wenn es andererseits darum geht, den ökonomischen Wert von Wissenschaften und Wissenschaftlerleistungen zu messen, dürfte überall eine große Diskrepanz zwischen feststellbaren wissenschaftlichen Werten hier und feststellbaren ökonomischen Werten dort erkennbar werden. Schon aus diesem Grunde ist es unwahrscheinlich, daß es 'verläßliche' und ferner überall im Wissenschaftsbereich praktikable Formen ökonomisch-kennziffernmäßiger Bewertung des wissenschaftlichen Wertes von Wissenschaften und Wissenschaftlerleistungen gibt, wie sie die gegnerische Stellungnahme für generell möglich, "wenn auch schwierig" erachtet. Ich meinerseits halte den Versuch, so etwas zu bewerkstelligen, für eine 'petitio principii oeconomici', d. h. für einen Widerspruch in sich. Was am Max-Planck-Institut oder an einigen wirtschaftsnah arbeitenden Fakultäten unter besonderen Bedingungen zielgerichteter Wissenschaftsförderung teilweise möglich sein mag, ist andernorts, etwa in den Grundlagenwissenschaften, vielfach m. E. schon gedanklich sinnlos. Das läßt sich im Detail ausführen.

Als Geisteswissenschaftler braucht man sich an solchen ökonomisch fiktiv begründeten und wissenschaftlich kontraproduktiven Entwicklungen - ja, um es drastisch zu sagen, an einer der Wissenschaft aufgedrängten geistigen Selbstkastration - nicht zu beteiligen. Ich rate denen, die derartiges nicht überzeugend finden, zu einer generellen ideellen Illoyalität gegenüber solchen 'Modellen', von denen das IuK-Beirats-Modell ja nicht das einzige ist. Ich meine damit nicht Rechtsbrüche, sondern die Verweigerung unbegründeten Vertrauens sowie ein öffentlich argumentatives und ggf. auch ein juristisches Vorgehen gegenüber 'Reformprojekten', die wegen ihrer verfassungsbedenklichen Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit (Art. 5, Abs. 3 GG) m. E. nicht nur eine 'nüchterne', autonom urteilende Analyse, sondern auch eine entschlossene Opposition erfordern. Ich bin nicht der einzige der dafür plädiert.

Christian Gizewski

Auf die mit einem Antrag an den Fakultätsrat verbundene Stellungnahme der IuK-Kommission der Fakultät I "zur künftigen Struktur und Organisation der IT-Dienste in der Fakutät I" vom 11. 6. 2002, die erst am Nachmittag des 16. 6. 2002 im Internet zugänglich war, schlage ich unter Berufung auf meine diversen eingehenderen, im Internet publizierten Stellungnahmen zum Thema (http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/P6.htm und http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/P7.htm und http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/SOzuP6/ForumP6.htm) folgenden Gegenantrag zur Erörterung im Fakultätsrat vor:

1. Die Fakultät richtet aus Kostengründen keinen zusätzlichen fakultätszentralen Server ein, sondern vereinbart mit dem Zentralen Rechenzentrum der TU Berlin eine umfassende, angemessene Betreuung ihrer verschiedenartigen wissenschaftlichen und technischen IT-Bedürfnisse, einschließlich der Kontenverwaltung, der Installation, Wartung und Pflege der Technik sowie der Durchführung von Einführungsveranstaltungen, welche das Zentrale Rechenzentrum schon bisher prinzipiell zufriedenstellend betreut. Die Betreiber bestehender dezentraler Server innerhalb der Fakultät I werden aufgefordert zu überprüfen, ob sich eine Wahrnehmung ihrer Angelegenheiten auch im Rahmen der Server-Organisation des Zentralen Rechenzentrums verwirklichen läßt, und dem Fakultätsrat darüber zu berichten.

2. Der Fakultätsrat geht davon aus, daß das Zentrale Rechenzentrum weder jetzt noch in Zukunft für diese Leistungen reale Gebühren oder gar Preise von der Fakultät I und ihren Einrichtungen nimmt, d. h. daß das Modell des IuK-Beirats vom 2. 8. 2001 nicht verwirklicht wird. Unter diesen Bedingungen hält der Fakultätsrat dann auch die Zuweisung besonderer Mittel für IT-Dienste an die Fakultät und ihre Einrichtungen für unnötig und fordert, daß das Zentrale Rechenzentrum über den TU-Gesamthaushalt wieder personell und sächlich angemessen ausgestattet wird. Er gibt dem Universitätspräsidenten und dem Akademischen Senat gegenüber eine entsprechende Absichtserklärung ab.

3. Die Fakultät I und ihre Einrichtungen nehmen für die Benutzung ihrer 'PC-Pools' weder von Mitgliedern der Fakultät I noch von Mitgliedern anderer Fakultäten der TU Gebühren. Sie erwarten im Gegenzug von den anderen Fakultäten, daß sie sich entsprechend erklären und verhalten.

4. Der Fakultätsrat schlägt dem TU-Präsidenten und dem Akademischen Senat der TU Berlin eine Umwandlung des bisherigen 'IuK-Beirats' beim Präsidenten in eine Unterkommission des Akademischen Senats vor, sodaß der irreguläre Zustand eines 'Nebenparlaments in IT-Angelegenheiten' beendet wird.

5. Der Fakultätsrat bildet die IuK-Kommission bei der Fakultät I in eine wissenschaftlich-technische Kommission der Fakutät für die intensive wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit dem Zentralen Rechenzentrum um und fordert inbesondere auch die Hochschullehrer auf, sich auch in deren Rahmen und, wenn es geht, mehr als bisher den Angelegenheiten der wissenschaftlich bedeutungsvollen IuK-Entwicklung der Fakultät zu widmen, damit die Entwicklung der IT-Dienste mit ihrer Autorität in der nötigen Weise wissenschaftsnah vorwärtsgetrieben werden kann. Eine zukünftige IT-Kommission soll jedoch keine wissenschaftlich-inhaltlichen Prüfbefugnisse für den Gebrauch von Serverdiensten durch Wissenschaftler haben, sondern lediglich die Aufgabe, Empfehlungen für eine wissenschaftlich optimale Organisationsweise und für einen sparsamen Umgang mit vorhandenen Mitteln zu geben.

6. Der Fakultätstrat befürwortet die Einrichtung wissenschaftlich von ihr betreuter Bereiche für WWW-Publikationen von Studenten an der Fakultät I im Rahmen der ZRZ-Server-Organisation.

7. Der Fakultätsrat befüwortet prinzipiell die Einrichtung eines Herausgeberausschusses der Fakultät oder einzelner Institute der Fakultät für die Förderung und Zertifizierung wissenschaftlicher Netzpublikationen im Rahmen der Universitätsbibliothek.

8. Der Fakultätsrat befürwortet die Einrichtung und angemessene Ausstattung einer zentralen Archivierungsstelle für abgeschlossene wissenschaftliche Netzpublikationen bei der Universitätsbibliothek.

Christian Gizewski

7) Der Vorsitzende der IuK-Kommission der Fakultät I nahm zu den zu 6) veröffentlichten Texten Gizewski am 18. Juni 2002 folgendermaßen Stellung:

Hans Stiehl

18.6.02

Abschließende Stellungnahme zur Diskussion um die Neuorganisation der IuK-Infrastruktur der Fakultät 1 (geplant als Statement im Fakultätsrat am 19.6.02)

Vorbemerkungen:

Die Diskussion zu diesem Punkt in den letzten Wochen beschränkte sich im wesentlichen (vgl. Forum und http://www.tu-berlin.de/fb2/medho/IuK-Fak1/IuK-Infrastruktur.htm ) auf den Austausch von Argumenten zwischen Prof. Dr. Gizewski und der IuK-Kommission bzw. mir als Mitglied der Fakultät.

Das offensichtlich geringe Interesse der überwiegenden Mehrheit der Fakultät an diesem Punkt ist aus meiner – und wahrscheinlich auch aus der Sicht von Prof. Gizewski - bedauerlich, weil wir beide eine verstärkte Nutzung, und damit Förderung und Ausbau der IuK-Dienste für Lehre und Forschung für geboten halten. Hinsichtlich dieser Zielgröße besteht Konsens.

Kein Konsens besteht in der Frage der Realisisierung. Hier ist meine Position (zu Einzelheiten vgl. http://www.tu-berlin.de/fb2/medho/IuK-Fak1/IuK-Infrastruktur/Stellungnahme-zu-Gizewski-Memorandum-020529.pdf ), die gegebenen landes- und hochschulpolitischen Rahmendaten zu berücksichtigen, während Prof. Gizewski tendenziell den Status quo ante erhalten und noch verstärken will unter Ablehnung bereits getroffener übergeordneter Entscheidungen.

Dem Fakultätsrat liegen nun zwei klar artikulierte Positionen als Entscheidungsgrundlage vor. Die beiden Positionen unterscheiden sich sowohl hinsichtlich der Wahrnehmung von Realität als auch in der Bewertung der möglichen und zweckdienlichen Handlungsoptionen.

Eine weitere Fortführung der Argumentation und Gegenargumentation dürfte nur noch zu Wiederholungen in immer längeren Texten führen. Sie wird deshalb von meiner Seite an dieser Stelle beendet.

Zur Klarstellung meiner Position sollen im Folgenden lediglich meine Hauptargumente noch einmal thesenartig zusammengefasst werden.

Positionsthesen:

Die Haushaltslage des Landes Berlin und auch der TU Berlin ist so dramatisch, dass alle aus Steuermitteln finanzierten Institutionen und Leistungen sich hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Notwendigkeit, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Wirtschaftlichkeit (Kosten-Leistungsverhältnis) neu legitimieren müssen. Institutionen der Forschung und Lehre können wie andere Bildungsinstitutionen auch vom Prinzip her keine Ausnahme beanspruchen.

Der Hochschulvertrag, den die Universitäten 1997 mit dem Land Berlin abgeschlossen haben, schreibt den Hochschulen die Einführung einer Kosten- und Leistungsrechnung sowie eines differenzierten Systems von Kennzahlen zur Mittelvergabe vor ( http://www.tu-berlin.de/presse/tui/00vwr/m_budg.htm ). Die Hochschulen des Landes Berlin sind ebenso wie die übrige öffentliche Verwaltung des Landes Berlin ( vgl. http://www.Berlin.de/verwaltungsmodernisierung/index.html ) im Rahmen der Verwaltungsreform zur Budgetierung vertraglich verpflichtet.

Zu Ziel und Hintergrund dieses Budgetierungsansatzes: "Die sinnvolle Nutzung bestehender Finanzierungsspielräume ist - gerade in Zeiten akuter Haushaltsprobleme – von besonderer Wichtigkeit. Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, die (noch) verfügbaren Finanzmittel zukünftig bürgernah, gezielt und wirtschaftlich einzusetzen. Die Ergebnisorientierte Budgetierung, die in den Bezirksverwaltungen bereits praktiziert wird, ist das entscheidende Mittel hierfür." ( Zitat aus dem Hochschulvertrag )

Dies gilt vertraglich auch für die TU Berlin. „Die Hochschulen werden künftig vom Land eine leistungs- und indikatorengestützte Finanzierung erhalten“ ( http://www.tu-berlin.de/presse/tui/00vwr/schlank.htm )

Der Präsident hat diese landespolitischen Vorgaben im Rahmen seines Direktionsrechtes umzusetzen. Für den Bereich der IuK-Reform hat er als Beratungsgremium den IuK-Beirat, in dem die Dekane aller Fakultäten vertreten sind, berufen. Die Entscheidung über die in diesem Gremium 2001 einstimmig – also auch mit der Stimme der Fakultät 1 - verabschiedeten Budgetierungsvorschläge für die IuK-Dienste soll 2003 im AS getroffen werden.

Diese Budgetierungsvorschläge beinhalten bereits einen Kompromiss und eine Art Bestandsgarantie für das ZRZ. Das ZRZ wird durch die Vorschläge jedoch einer Kosten- und Leistungskonkurrenz ausgesetzt. Seine bisherige Vorwegfinanzierung wird eingeschränkt. Die Entscheidungskompetenz für IT- Dienste der Leistungsklasse 2 und 3 ( vgl. http://www.tu-berlin.de/zrz/organisatorisches/dienste_preise.html ) wird auf die Fakultäts- und Institutsräte dezentralisiert. Dafür sollen die Fakultäten einen zusätzlichen IuK-Budgetfinanzierungansteil etwa in Höhe Ihrer bisherigen Vorwegfinanzierungsanteile an dem ZRZ erhalten.

Im Rahmen dieser dezentralen Finanzierungskompetenz kann der Fakultäts- bzw. Institutsrat ab 2003 auch entscheiden, ob und in welchem Umfang er die Inanspruchnahme von zentralen und dezentralen IuK-Leistungen durch Privatdozenten, apl-Professoren und Lehrbeauftragte finanzieren kann bzw. will.

Die Frage ist also nicht mehr, ob Budgetierung mit Kosten- und Leistungsrechnung überhaupt umgesetzt wird, sondern nur noch, in welcher Form, in welchem Zeitrahmen und wie weit?

Hier sollten nicht Befürchtungen und Hypostasierungen die Entscheidung a priori bestimmen, sondern möglichst aus Erfahrung gewonnene Fakten, etwa in Form der leistungsbezogenen Erfassung der Kosten einzelner IuK-Dienste.

Dies ist im Bereich der IuK-Leistungen ohne großen zusätzlichen Verwaltungsaufwand per EDV möglich und wird am Ende 2002 in Form einer "virtuellen Budgetierung" vorliegen. Dieser wird nach einer Entscheidung im AS die reale Budgetierung ab 2003 folgen aus einem gesonderten Budgetanteil, und wenn dieser überschritten wird, aus "normalen“ Budgetmitteln.

Die Budgetierung stellt keine Einschränkung verfassungsrechtlicher Rechte im Bereich Lehre und Forschung dar, weil sie erklärtermaßen der Gewinnung von Finanzierungsspielraum zu deren Erhaltung und Förderung dient. Nach geltender Rechtsauffassung besteht zudem kein Rechtsanspruch auf eine bestimmte Form/ Methode der Realisierung von Forschung und Lehre, wenn alternative Formen und Methoden zur Verfügung stehen. Dies ist hier der Fall. Auch die verwaltungsrechtliche Zulässigkeit der Budgetierung in öffentlichen Verwaltungen des Landes Berlin ist gegeben.

Für den Fakultätsrat ergibt sich ab 2003 ein Optimierungsproblem: Auf der Grundlage von vergleichbaren realen Kostengrößen zu entscheiden, welche IuK-Leistungen in Lehre und Forschung welchen Statusgruppen im Rahmen des Gesamtbudgets, das die Fakultät in Zukunft auf der Basis von leistungsbezogenen Indikatoren erhält, zentral, dezentral oder extern organisiert bzw. finanziert werden sollen. Allein darum geht es zunächst.

Ich teile allerdings in einem Punkt die Befürchtungen, die ich hinter den umfänglichen Begründungsansätzen von Prof. Gizewski zu erkennen glaube: Fakultäts- und Institutsräte, deren Mehrheit keine direkte Erfahrungen und damit auch nur eine reduzierte Einsicht in die hochschuldidaktischen und wissenschaftsmethodischen Vorteile bzw. Potentiale der Nutzung „neuer Technologien“ hat, dürften bei der Entscheidung über knappe Mittel nicht unbedingt dazu neigen, IuK-Dienste bevorzugt oder auch nur mit vergleichbarer Präferenz zu finanzieren, insbesondere nicht für Statusgruppen, die schon bisher keinen offiziellen Zugang zu Haushaltsmitteln hatten. Dies empfinde ich als nicht angemessen, ja als ungerecht. Es liegt am Fakultätsrat der Fakultät 1, ob die Plausibilität dieser Hypothese sich erhöht oder ob sie sich verringert.

8) Zu dem Text zu 7) nahm der mitangesprochene Gizewski am 18. Juni 2002 wie folgt Stellung:

Prof. Dr. phil. Christian Gizewski,
Rechtsanwalt
etc.

Zu Herrn Stiehls Kommentierung meines Antragstextes vom 17. Juni 2002 äußere ich mich unter Bezugnahme auf meine bisherigen Stellungnahmen wie folgt:

1. Die Hochschulverträge sehen eine 'Budgetierung' lediglich in einer Weise vor, die verwaltungsorganisatorisch überzeugend begründbar und mit den Belangen der akademischen Selbstorganisation der Wissenschaft verfassungsrechtlich vereinbar ist. Sie verpflichten ferner niemanden, im wissenschaftlichen Bereich 'Budgetierungsvorstellungen' auch dort zu realisieren, wo diese dem in den Hochschulverträgen erklärten Zweck einer Gewinnung 'finanzieller Handlungsspielräume' nicht wirklich dienen können. Vielmehr verpflichten die Hochschulverträge - wie schon das Verwaltungsrecht generell - die an der akademischen Selbstverwaltung Beteiligten zu einem eigenaktiven sparsamen Umgang mit öffentlichen Mitteln in Verfahrensweisen, welche die wissenschaftlichen Zwecksetzungen nicht unnötig beeinträchtigen oder gar schädigen. Ich mache in meinem Antrag einen entsprechenden praktischen Vorschlag. Damit wäre dem Recht völlig Genüge getan. Die der Technischen Universität benachbarten Universitäten im Berliner Raum sehen das, was die wissenschaftliche elektronische Kommunikation betrifft, genauso und verhalten sich in dieser Sache prinzipiell 'nicht-budgetierend'.

2. Die Organisation der elektronischen wissenschaftlichen Publikations- und Kommunikationsmöglichkeiten gehört unter heutigen Bedingungen in besonderem Maße zu den Kernangelegenheiten der akademischen Selbstverwaltung. Künftig wird das noch viel deutlicher werden. Für die Entscheidung in diesen Angelegenheiten sind jetzt und künftig primär die Fakultäten und der Akademische Senat zuständig. Die Fakultäten unterstehen insoweit nicht den Anordnungsbefugnissen des Universitätspräsidenten, falls er solche in diesem Falle überhaupt in Anspruch nehmen sollte.

Vielmehr sollte der IuK-Beirat beim Präsidenten - als hochschulrechtlich m. E. irreguläre Einrichtung - in einen Unterausschuß des für diese Thematik - bei Angelegenheiten der Gesamtuniversität - zuständigen Akademischen Senats umgewandelt werden.

3. Die vom Universitätspräsidenten an die ZRZ gegebene Anordnung zur zunächt 'virtuellen', später 'realen' universitätsinternen Rechnungsstellung für Serverleistungen sollte nach einer gewissen experimentellen Phase, in der auch die wissenschaflich m. E. extrem unsinnigen Aspekte des vorgesehenen Verfahrens in seiner bisher vorgesehenen Form deutlicher erkennbar werden dürften, vom Präsidenten zurückgenommen werden.

4. In der gegenwärtigen Diskussionslage geht es damit keineswegs nur um das 'Wie' irgendeiner angeblich rechtlich vorgeschriebenen und unvermeidlichen 'Durchführung', sondern auch und vor allem um das 'Ob' ihrer Annehmbarkeit im Hinblick auf wissenschaftliche, grundgesetzlich geschützte Belange. Darüber kann und sollte man in vollem Umfang akademisch und, wenn es sein muß, auch rechtlich streiten. Dabei wäre - wie bei ähnlichen Reformgegenständen der letzten Jahre - auch der verfassungsrechtliche Aspekt von Belang (Art. 5, Abs. 3 GG). Ich hielte es nicht für nützlich, diese Diskussion, was ihre grundsätzlichen Seiten betrifft, lange hinauszuschieben.

Christian Gizewski

9) Im Rahmen der fortgesetzten Diskussion über die IuK-Strukturen der TU Berlin sowohl im Rahmen der Fakultät I als auch im IuK-Beirat beim Präsidenten und an anderen Stellen der Universität richtete sich Gizewski nach den Semesterferien an die Angehörigen der Fakultät I, an das Präsidium der TU Berlin, an die Dekane der anderen Fakultäten, an die Angehörigen des IuK-Beirats und an die Leitungen des Zentralen Rechenzentrums , des Forschungsschwerpunkts 'Prozeßdatenverarbeitung im Prozeßrechnerverbund' und der Universitätsbibliothek mit einem Anschreiben, das hier in seiner Version vom 11. Nov. 2002 wiedergegeben wird:

An: P@tu-berlin.de; VP1@tu-berlin.de; VP2@tu-berlin.de; VP3@tu-berlin.de; erdm0135@mailszrz.zrz.tu-berlin.de; Dekan@FakII.TU-Berlin.DE; Ulf.Stahl@lb.TU-Berlin.de; wolisz@ee.tu-berlin.de; Dekan@fak-v.tu-berlin.de; savidis@tu-berlin.de; a1@mail.a.tu-berlin.de; o.preuss@ww.tu-berlin.de; Klaus.Rebensburg@ik.tu-berlin.de; Zick@ub.tu-berlin.de; guelker@zrz.TU-Berlin.DE; cassiers@kgw.tu-berlin.de

Betreff: Zu befuerchtende nachteilige Folgen beabsichtiger IuK-Strukturen

Dr. Christian Gizewski
Professor für Alte Geschichte
an der Fakultät I - Geisteswissenschaften -
der Technischen Universität Berlin,
Institut für Geschichte und Kunstgeschichte,
Sekr. Alte Geschichte, Ernst-Reuter-Platz 7,
10587 Berlin, TEL.: [Deutschland] 030/314-24152
Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin,
TEL, AB und FAX: 030/8337810,
EP: Christian.Gizewski@tu-berlin.de,
WWW-Seite: http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW.
An den Herrn Präsidenten und die Herren und Damen Vizepräsidenten der TU Berlin.
An alle Herren Dekane und Prodekane der Fakultäten I - VIII.
Zur Kenntnis an:
Herrn Gülker, ZRZ, Herrn Prof. Rebensburg, TU-IuK-Beauftragten, Herrn Dr. Zick, Direktor der Universitätsbibliothek, und Herrn Cassiers, IUK-Beuftragten füt die Fakultät I.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Als Mitglieder des Akademischen Senates und/oder als kraft Amtes Angehörige des informellen Beirats in IuK-Angelegenheiten beim Präsidenten der TU erlaube ich mir, Sie auf das unter der URL-Adresse

http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/SOzuP6/IuKStrTU.htm

publizierte, von mir verfaßte Papier "Für wirtschaftliche und zugleich wissenschaftsgemäße IuK-Strukturen an der TUB! Ein Kurzbeitrag zur Vermeidung von Fehlentwicklungen in den IuK-Strukturen der TU Berlin" aufmerksam zu machen.

Es enthält Überlegungen, wie man einigen unzweckmäßigen und teilweise unerträglichen, m. E. noch nicht hinreichend bedachten Konsequenzen eines gegenwärtig noch in der Diskussion befindlichen, aber teilweise schon 'virtuell' erprobten Reformgesamtkonzepts für die IuK-Strukturen der TU Berlin vielleicht entgehen könnte.

Mein Motiv, Ihnen diese wohlüberlegten und mit allerlei Mühe recherchierten Ausführungen nahezubringen, ist einmal die Befürchtung, persönlich in meiner rechtlich ausgeübten wissenschaftlichen Arbeit an der TU Berlin, die zur Zeit weitgehend in elektronisch-wissenschaftlichem Publizieren besteht, künftig unerträglich beschwert zu werden. Zum anderen ist es aber auch die viel weiter gehende Sorge, das in Entwicklung befindliche zukunftsweisende System elektronischen wissenschaftlichen Publizierens und Kommunizierens generell könne für viele an ihm interessierte Wissenschaftler durch'fehlgehende Regulierungseffekte' und falsch gesetzte Schwerpunkte eines Struktur-Modells nicht in einer wissenschaftlich sinnvollen und möglichen Weise fortentwickelt werden.

Ich möchte anregen, die Grundgedanken meiner um Kürze bemühten Ausführungen möglichst bald in die Diskussion sowohl des Akademischen Senates, der mit ihnen in letzter Zeit wohl noch nicht befaßt gewesen ist, als auch in die des m. E. nach wie vor nur entscheidungsvorbereitenden IuK-Beirats beim Präsidenten einzuführen .

Ich bitte freundlich alle Angesprochenen um eine Eingangsbestätigung für diesen Brief.

Rückfragen beantworte ich gern.

Mit freundlichen Grüßen Gizewski

10) Auf diesen Brief ging am 13. Nov. 2002 eine Stellungnahme Herrn Dipl. Ing. Herbert Almus, Forschungsschwerpunkt 'Prozeßdatenverarbeitung und Prozeßrechnerverbund', Mitverfassers des Papiers Rebensburg, Almus zur Reform der Iu-Strukturen an der TU Berlin ein:

"Herbert Almus" <herbert@prz.tu-berlin.de> an <Christian.Gizewski@tu-berlin.de>

Zur Kenntnis an: <P@tu-berlin.de>, <VP1@tu-berlin.de>, <VP2@tu-berlin.de>, <VP3@tu-berlin.de>, <erdm0135@mailszrz.zrz.tu-berlin.de>, <Dekan@FakII.TU-Berlin.DE>, <Ulf.Stahl@lb.TU-Berlin.de>, <wolisz@ee.tu-berlin.de>, <Dekan@fak-v.tu-berlin.de>, <savidis@tu-berlin.de>, <a1@mail.a.tu-berlin.de>, <o.preuss@ww.tu-berlin.de>, <Klaus.Rebensburg@ik.tu-berlin.de>, <Zick@ub.tu-berlin.de>, <guelker@zrz.TU-Berlin.DE>,

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Gizewski,

Prof. Rebensburg hat mich beauftragt, zu Ihren Einwänden zur neuen Gestaltung der ZRZ-Dienste als Vertreter der IuK-Geschäftsstelle Stellung zu nehmen. Ihre Mail vom 11.11.2002 hat Prof. Rebensburg mir zur Kenntnis gegeben. Sie verweisen darin auf die unter der URL ( http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/SOzuP6/IuKStrTU.htm ) abgelegten Dokumente / Stellungnahmen zu diesem Thema.

Die dort abgelegte Information behandelt eine Fülle rechtlicher und hochschulpolitischer Aspekte, denen angemessen Rechnung getragen werden muss. Allerdings ist dies aus meiner Sicht sowohl unter dem bisherigen, zentralen Verfahren der Mittelvergabe als auch unter den neuen, angestrebten Verfahren der Aufteilung der zentralen Mittel über einen angemessenen Verteilungsschlüssel an die Fakultäten, die dann eigenständig über deren Einsatz entscheiden, möglich.

Das im IuK-Beirat beschlossene Verfahren beinhaltet im Kern den Übergang der Kompetenz für den Einsatz und die Verteilung der Mittel auf die die Fachgebiete vertretenden Fakultäten. Im Rahmen dieser Verantwortung und der Gesamtverantwortung gegenüber der TUB sollte aus meiner Sicht auch eine angemessene Berücksichtigung von Privatdozenten und apl. Professoren durch die Fakultäten gewährleistet sein. Sollte dies wider Erwarten nicht der Fall sein, wären sicher geeignete Maßnahmen auf universitätsweiter Ebene erforderlich. Dies ist aber eine hochschulpolitische Aufgabe. Sie ist nicht abhängig davon, ob die Entscheidung über den konkreten Einsatz von IuK-Mitteln zentral oder dezentral gefällt werden. In der Folge der hier anstehenden Änderung kann allerdings die Bildung eines Konsens über die konkrete, sachlich sinnvolle und zu rechtfertigende Ausgestaltung erforderlich sein, zu der Sie mit Ihrem Schreiben dankenswerterweise aktiv anstoßend beitragen.

Ihre rechtlichen Bedenken prinzipieller Art über das auf der 8. Sitzung des IuK-Beirates beschlossenen Verfahren kann ich nicht teilen, verweise allerdings darauf, dass ich hier keinesfalls Experte bin und dieses somit den Juristen überlasse.

Ich erlaube mir jedoch hierzu einige Anmerkungen, um aus meiner Sicht die in diesem Zusammenhang verwendeten "Begriffe und Ziele“ etwas schärfer zu fassen:

1. Die Umlage der bisher zentral vergebenen Mittel auf die Fakultäten ist nicht diskutiert worden als Instrument der Kürzung; konkret wurde aus meiner Sicht nie die Fortschreibung der Mittel in Frage gestellt. Dazu wäre das Verfahren auch ein völlig ungeeignetes Instrument.

2. Die Wortwahl "Preis / Gebühr" ist sicher sehr "umgangssprachlich“ in den Diskussionen um das Umlagemodell verwendet worden. Meines Wissens ist aber nie diskutiert worden, in diesem Rahmen Gewinne wie im privatwirtschaftlichen Bereich anzustreben. Dies würde insbesondere bedeuten, dass diese Gewinne privatisiert und damit der sie erzielenden Einrichtung entnommen werden könnten. Erst dies ist "Privatwirtschaft“; die nutzungsabhängige Umlage aller Kosten auf die Verursacher bei gleichzeitig sachgerechter Mittelausstattung dieser führt keineswegs privatwirtschaftliche Verhältnisse ein, sondern zielt auf Kostentransparenz und dem kostenbewussten Umgang mit den Mitteln der TUB. Die von Ihnen geäußerten rechtlichen Bedenken prinzipieller Art sind für mich daher nicht nachvollziehbar.

3. Zu den in Ihren Schreiben ansonsten aufgeworfenen Fragestellung zur sinnvollen Gestaltung der Dienste der ZRZ und deren Finanzierung möchte ich hier als Vertreter der IuK-Geschäftsstelle nicht Stellung nehmen, da diese Diskussion aus meiner Sicht in der TUB schon seit langem (z.B. sowohl in der IuK-Kommission als auch in den Sitzungen des IuK-Beirates) geführt worden ist und mit dem Beschluß in der 8. IuK-Sitzung ihren Abschluss gefunden hat.

Mit freundlichen Grüßen, Herbert Almus, IuK-Geschäftsstelle

11) Darauf entgegnete der angesprochene Gizewski am 14. Nov. 2002 wie folgt:

Dr. Christian Gizewski
Professor für Alte Geschichte usw.

Sehr geehrter Herr Almus!

Vielen Dank für Ihre schnelle Stellungnahme zu meinem Diskussionsbeitrag.

Im Interesse einer möglichst breit zu führenden universitätsinternen Diskussion über das u. a. von Herrn Prof. Rebensburg und Ihnen ausgearbeitete Umstrukturierungskonzept antworte ich Ihnen auch 'internet-öffentlich'. Sie werden dies in seinen sachlichen Motiven verstehen.

Das Umstrukturierungskonzept ist ein Teil der Universitätspolitik und könnte nicht etwa, wie Sie es andeuten, als ein aus der öffentlich-rechtlichen und spezifisch wissenschaftlich-organsiatorischen Ordnung der Universität auszuklammernder Sonderfaktor der 'Betriebsorganisation' behandelt werden. Die mit einem solchen Konzept gesetzten Schwerpunkte der Organisationsveränderung und ihre kalkulierbaren, wahrscheinlichen Folgen müssen rechtlich und wissenschaftlich nicht nur mit-, sondern auch vorbedacht werden. Dazu gehört auch die unter den bestehenden Umständen der Finanzknappheit und der akademischen Mittelverteilungsdiskussionen vorherzusehende Verdrängung nicht budget-ausgestatteter Wissenschaftler aus der Nutzung der IuK-Technik.

Ich nehme - nur ein wenig erleichtert - zur Kenntnis, daß bei Ihren Überlegungen der Aspekt einer Kostendeckelung oder Abwürgung laufender und in Entwicklung befindlicher elektronisch basierter Wissenschaftsprojekte aller Art keine Rolle gespielt habe, und daß Sie die Bezeichnung der 'Rechnungsgrößen', die die ZRZ ihren seit Frühjahr dieses Jahres an die 'Nutzer' ihrer Server versandten 'virtuellen Rechnungen' zugrundelegt, als 'Preise' für sachlich nicht richtig halten. Das ist m. E. jedoch nur eine Interpretation Ihrer Seite. In der bisherigen Diskussion an meiner Fakultät habe ich es, etwa seitens des früheren IuK-Beirats-Bevollmächtigten, ganz anders gehört; Herrn Stiehls m. E. wohldurchdachte, wenn auch mich nicht überzeugende Argumente können Sie in mehreren auf diesem 'Forum P 6' veröffentlichten Stellungnahmen nachlesen.

Zu befürchten ist jedenfalls, daß bei Verwirklichung des von Ihnen mitentwickelten Konzepts manches anders läuft, als Sie es sich, wie Sie sagen, gedacht haben. Ich fasse stichwortartig einige drohende, an anderer Stelle schon ausführlicher erörterte, von Ihrer Selbsteinschätzung unabhängige Anzeichen einer m. E. etwas groben, wissenschaftswidrigen, letztlich betriebswirtschaftlichen und marktorientierten Betrachtungsweise zusammen:

1) Kostenfaktoren einer heute wissenschaftswesentlichen universitären Institution wie der ZRZ könnten auch dann 'durchsichtig' gemacht werden, wenn man sie nicht in mehr oder weniger willkürlicher Weise auf sog. 'Nutzer' umrechnete, sondern im einzelnen auf ihre Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit durchdiskutierte. Die ZRZ oder irgendjemand sonst tut das gegenwärtig aber gerade nicht.

2) In die Kostenfaktoren der ZRZ werden bei der gegenwärtigen 'virtuellen Rechnungsstellung' an die sog. 'Nutzer' sämtliche 'betrieblich' entstehenden Kostenanteile eingerechnet: nicht etwa nur Nutzer-Beratungskosten oder konkret nutzerbezogene Aufwandskosten, sondern auch Investitionsabschreibungskosten, Maschinenwartungskosten, Software-Nutzungskosten und nicht zuletzt die für einen zentralen universitären Server-Betrieb unvermeidlichen relativ hohen Personalkosten generell. Man denke dieses Prinzip fort: Sollen die 'Nutzer' der Universität demnächst all deren Kosten nach irgendeinem Umrechnungsschlüssel selbst tragen?

3) Nicht in einer Kosten-Nutzenrechnung der ZRZ - oder auch nur irgendeiner anderen Stelle der Universität - erscheinen die wissenschaftlichen Werte elektronisch basierten Arbeitens, die herzustellen die besondere, wenn auch betriebswirtschaftlich schwer kalkulierbare Aufgabe der Univerität und ihrer Wissenschaftler ist. Es ist dabei keineswegs nur als Aufgabe der universitären Wissenschaft zu verstehen, in kalkuliebaren Leistungs-Gegenleistungverhältnissen für irgendjemanden irgendeinen 'Service' - ein betriebswirtschaftlicher, unternehmensbezogener, für den Wissenschaftsbereich problematischer Begriff - zu erbringen. Vielmehr bestehen die wissenschaftlichen Leistungen in vielfältigen, zunächst immateriellen Facetten eines erkenntnis- und wahrheitsbezogenen, nicht an den Grenzen der Universität endenden Dienstes an der Allgemeinheit. In diesem Sinne ist die Universität als spezifische Körperschaft des öffentlichen Rechtes, nicht etwa des Gesellschafts- oder Handelsrechts konzipiert. Bestimmte betriebliche Kalkulationsmaximen sind ihrer rechtlichen und verfassungsmäßig geschützten Grundstruktur jedenfalls fremd. Nicht einmal der Gesetzgeber könnte sie verordnen.

Aber auch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit, das in einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft angemessen zu verfolgen ist, erscheint mir das von Ihnen mitentwickelte Konzept Schwächen zu haben. Die beabsichtigte Zuteilung der 'vollen' Zuständigkeit für Serverorganisation an die Fakultäten droht die 'Synergieeffekte', die bei Zusammenfassung aller Server-Potentiale der Universität möglich wären, außer acht zu lassen. Einige - nicht besonders techniknahe, aber ebenfalls der Technischen Universität zugehörende - Fakultäten wären dadurch außerdem vergleichsweise kostenmäßig stark benachteiligt, weil sie 'fremden' technischen 'Sachverstand' einkaufen müßten. Das widerspräche aber auch dem Prinzip einer gesamtuniversitären Organisationsverantwortlichkeit der Glieder der Universität.

Das zur Zeit diskutierte Konzept läßt m. E. ferner die Rolle der Universitätsbibliothek, die im Zusammenhang einer wissenschaftsgemäßen Nutzung der Internettechnik universitätszentrale, zukunftsbezogene, produktivitätssteigernde und arbeits- und kostensparende Entwicklungsaufgaben haben müßte, im Dunkeln. Sollte es dabei bleiben, wäre dies ein wirtschaftlich ebenso wie wissenschaftlich untragbarer Defekt des derzeitigen Konzepts.

Mit freundlichen Grüßen C. Gizewski

12) Am 18. Nov. 2002 äußerte sich auch der Direktor der Universitätsbibliothek Dr. Zick zu der oben unter 9) genannten, auch an ihn adressierten Denkschrift ( http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/SOzuP6/IuKStrTU.htm). Er wies u. a., was die Fortentwicklung der Universitätsbibliothek der TUB betrifft, zustimmend und empfehlend auf die jüngst unter http://www.hrk.de/presse/2821.htm publizierte Stellungnahme der 'Hochschulrektorenkonferenz (HRK)' vom 5. Nov. 2002 "Zur Neuausrichtung des Informations- und Publikationssystems der deutschen Hochschulen" hin. Auch die HRK-Presseerklärung dazu wird an dieser Stelle - als Beitrag zur TU-internen Diskussion - veröffentlicht.

"Bonn, 6. November 2002 - Angesichts der dramatischen Kostensituation der Hochschulbibliotheken: HRK-Plenum empfiehlt ein neues Informations- und Publikationssystem.

Die dramatische Situation der Hochschulbibliotheken war Thema der gestrigen 198. Plenarversammlung der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn. Hintergrund des Plenarbeschlusses ist, dass die Kosten für die wissenschaftliche Literaturversorgung sich im vergangenen Jahrzehnt mit mehr als zweistelligen Preissteigerungsraten drastisch erhöht haben. Abbestellungen von Zeitschriften, verringerter Kauf von Monographien und eine schlechte Versorgung mit elektronischer Literatur sind die Folgen. In den neuen Ländern ist die Situation angesichts des Auslaufens Ende 2002 bzw. 2003 der dort aus HBFG-Mitteln gewährten Förderung zum Aufbau des Literaturbestands noch erheblich dramatischer.

Das Plenum verabschiedete eine von einer Arbeitsgruppe aus Rektoren, Bibliotheksleitern und Kanzlern vorbereitete Empfehlung zur Neuausrichtung des Informations- und Publikationssystems der deutschen Hochschulen.

Die Hochschulvertreter waren sich einig, dass der 'Etatkrise’ ganz wesentlich strukturelle Probleme zu Grunde liegen, die langfristig wirksame Strukturveränderungen erfordern. Die Hochschulen müssten sich in der Wertschöpfungskette der wissenschaftlichen Publikation neu positionieren. Die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse müsse wieder der Wissenschaft und nicht primär den kommerziellen Interessen von Großverlagen dienen. HRK-Präsident Professor Dr. Klaus Landfried erläuterte dazu am Mittwoch vor der Presse in Berlin: <Sowohl bei der Erstellung der Zeitschriftenartikel als auch beim Begutachtungssystem der Verlage wird auf die Ressourcen der Hochschulen zurückgegriffen. Aber um die Ergebnisse dieser staatlich finanzierten Forschung und Begutachtung Wissenschaftlern und Studierenden zugänglich zu machen, müssen die Hochschulen dann für Zeitschriften teilweise exorbitante Beträge zahlen.>

Das Plenum empfahl daher, alternative Publikationswege in Form von Hochschulschriftenservern einzelner oder mehrerer Hochschulen nachdrücklich zu fördern. Erleichtert wird dies dadurch, dass die Informationen elektronisch vorliegen. Die Nutzung kann auch in gedruckter Form erfolgen (z.B. print on demand). Im Vergleich zu traditionellen, verlagsgebundenen Zeitschriften haben Hochschulschriftenserver bisher den Nachteil, dass die darin zur Verfügung gestellten Informationen nicht von einem unabhängigen Gutachtergremium bewertet worden sind. Der Mehrwert, den die Zeitschriftenverlage schaffen, liegt daher im Wesentlichen in der von ihnen organisierten Begutachtung der Artikel.

Das Plenum forderte daher, neue Begutachtungsstrukturen und –verfahren zu fördern. Dies kann vor allem dadurch geschehen, dass Hochschulen selbst Begutachtungsverbünde gründen bzw. organisieren. Auch die Erhebung von Zugriffszahlen bei allen auf einem Hochschulschriftenserver aufgelegten Veröffentlichungen kann wissenschaftliche Werthaltigkeit erkennbar machen.

HRK-Präsident Landfried erklärte dazu: <Auf lange Sicht sollte jedes veröffentlichungsreife Forschungsergebnis durch die Hochschule auf ihrem Server kostenlos per Internet zur Verfügung gestellt werden. Forschungsförderungseinrichtungen sollten dies zur Voraussetzung ihrer Förderung machen. Erst danach folgt die Begutachtung, die zu einer Veröffentlichung auf einem fachlichen Server oder in einer Zeitschrift führt. Beispiele internationaler fachlicher Server gibt es längst, zum Beispiel im Bereich der Physik.>

Um die Umstellung auf digitale Medien sowie ein Programm zum Aufbau von Hochschulservern zu sichern, fordert das Plenum der HRK die Bundesregierung auf, auf drei bis fünf Jahre angelegte Förderprogramme aufzulegen. Die Programme sollen zusammen circa 130 Millionen Euro verteilt über mehrere Jahre umfassen."

13) Als Beitrag zu der von Herrn Dr. Zick angeregten TU-internen Diskussion über das HRK-Papier ist der Kommentar, Gizewski "Eine diskussionswürdige neue HRK-Empfehlung zum Bibliotheks- und Publikationswesenwesen der deutschen Hochschulen. Bemerkungen zu ihrer Bedeutung für die IuK-Struktur-Diskussion an der TU Berlin" gedacht.


Verantwortlich für die Gestaltung des Forums und die Entgegennahme von Beiträgen: Prof. Dr. Christian Gizewski, TU Berlin, Fakultät I, EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de .