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Nr. 2: Elemente eines Nutzungskonzepts für elektronische Kommunikation an der Fakultät I der TU Berlin.

Von Christian Gizewski.

Letztbearbeitung: Juni 2002. - Siehe auch die weiteren Beiträge in der Übersicht P6 und auf dem Forum P6.


Im Interesse einer nicht durch kontraproduktive Gebührenerhebung behinderten und auch im übrigen wissenschaftsangemessenen Entwicklung der Möglichkeiten elektronischer Publikation und Kommunikation sollten im Rahmen eines Nutzungskonzepts für die Fakultät I folgende Grundsätze verfolgt werden:

I. Die beabsichtigte Abrechnung von Gebühren, Entgelten oder gar 'Preisen' für Dienstrechner-Leistungen, mit denen die ZRZ der TU Berlin bei EP- und WWW-Diensten sowie bei speicheraufwendigen Datensammlungs- und Dokumentationsaufgaben anerkannte und sinnvolle wissenschaftliche Arbeitszwecke im Bereich der TU unterstützt, wird vor allem dort sowohl wirtschaftlich sinnlos als auch wissenschaftlich kontraproduktiv wirken, wo wissenschaftlich anerkannte Arbeit keinen 'kennziffernmäßig' faßbaren ökonomischen Nutzen abwirft und abwerfen darf, aus dem derartige Gebühren oder Preise etwa bestritten werden könnten. Soweit wissenschaftliche Arbeit im Hochschulbereich und aufgrund der dortigen Arbeitsvoraussetzungen überhaupt zu geschäftsähnlich-wirtschaftlich erzielten Erlösen führt - und führen darf -, ist ferner ein systemloser, 'gebühren'-basierter 'Kostenausgleich' gegenüber irgendwelchen anderen Stellen der Universität ebenfalls weder haushaltswirtschaftlich noch wissenschaftsorganisatorisch sinnvoll.

Demgegenüber ist die Sicherstellung einer prinzipiell gebührenlosen Nutzung der Rechneranschlüsse und der Dienstrechnerleistungen für EP- und WWW-Dienste sowie für speicheraufwendige Datensammlungs- und Dokumentationsaufgaben im Rahmen anerkannter wissenschaftlicher Arbeitszwecke im Bereich der TU Berlin nötig. Zur Vermeidung eines etwaigen unwirtschaftlichen Umgangs wissenschaftlicher Einheiten mit den Mitteln und der Beratungs- und Wartungs-Arbeit des Rechenzentrums empfiehlt sich für die Zukunft aber notfalls die Einrichtung eines wissenschaftlich-technischen Initiativ- und Prüfungsausschusses der Fakultät, der in Zweifelsfällen - etwa auf Hinweis der ZRZ - etwaigem, technisch vermeidbarem Mittelverbrauch nachgehen und technische Verbesserungsempfehlungen aussprechen kann. Eine wissenschaftlich-inhaltliche Prüfkompetenz käme einem solchen Ausschuß allerdings in keiner Weise zu.

Begründung:

1) Die wissenschaftlich Tätigkeit auf der Basis elektronischer Kommunikation schafft gegenüber früheren Zuständen wissenschaftlichen Arbeitens auf der Basis höherer Produktivität zusätzliche Werte und muß dafür durch geeignete Investitionen und Grunddienstleistungen der Universität unterstützt werden. Deren Investitions-, und Betriebskosten können jedoch nicht von den wissenschaftlich Tätigen selbst getragen werden; denn sie haben einmal die nötigen Mittel nicht, sie können sie in der Regel nicht angemessen 'erwirtschaften' und sie sind ferner, wenn sie elektronisch basiert wissenschaftsnützliche Leistungen erbringen, nicht eigentlich 'Nutzer', also Verbraucher, sondern 'Nutzbringer', also Erzeuger. Ihre Benennung und gar Behandlung als 'Nutzer' ist darüberhinaus in der Gebrauchseinschränkungstendenz nichts weiter als kontraproduktiv, wenn sich der Gebrauch sinnvollerweise gar nicht vermeiden läßt, sondern im Interesse der wssenschaftlichen Entwicklung sogar gesteigert werden muß.

Auch wenn die im Bereich der Wissenschaft geschaffenen Werte häufig unverkäuflich und ökonomisch-'kennziffermäßg' kaum faßlich sind, ist ihr Wertcharakter gesellschaftlich und wissenschaftlich unbestritten und hoch anerkannt. Ihrer Verwirklichung dient deshalb als angemessene Organisationsform die vorfinanzierende, gemeinwohlorientierte und öffentlich-rechtliche Organisation des Wissenschaftsbetriebs.Eine gewinnorientiert-privatwirtschaftlich-unternehmerische Form des Hochschulbetriebs müßte dagegen in vielen Fächern konsequent zu einem Fortfall des größten Teils heutiger Wissenschaft führen.

Soweit wissenschaftliche Arbeit im Rahmen der Hochschule unmittelbar zu wirtschaftlich-geschäftsähnlich erzielten Erlösen führt - und führen darf -, müssen diese in wissenschaftsangemessener Weise direkt wiederverwendet werden können. Ihre Verteilung durch wildwuchernde Gebührenerhebungsansprüche im Rahmen der Hochschule wäre jedenfalls ebenfalls unzweckmäßig.

2) Ein Gutachten der DFG betr.die 'Informationsverarbeitung an Hochschulen' (Netze, Rechner und Organisationen. Empfehlungen der Kommission für Rechenanlagen 2001 - 2005; zugänglich unter: http://www.dfg.de/foerder/hbfg/ bzw. http://www.dfg.de/foerder/hbfg/KFR-Empf-Word95.doc) rät den Hochschulen den intensiven Ausbau und die intensive wissenschaftsadäquate Nutzung der genannen Server-Leistungen (EP-, WWW-, Datenbank-, Datensicherungs- und Datenachivierungsserver) an. Ihre faktische Reduzierung durch faktische Steuern vetrüge sich jedenfalls nicht mit dieser Empfehlung von kenntnisreicher Stelle.

3) Die TU Berlin ist die einzige der vier Universitäten im Berliner Raum, an der derzeit dazu angesetzt wird, das Problem einer wissenschaftsgemäßen Rechnerorganisation und der Versorgung mit Server-Leistungen durch das 'Modell' einer angeblich 'marktmäßigen Preisbildung' zu lösen. Dieses 'Modell' ist im Rahmen einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft rechtlich nicht friktionslos zu verwirklichen und sogar in seinem Kern rechtlich angreifbar: Die Erhebung von Gebühren und Entgelten, die sämtliche Kosten der Server-Organisation, d. h. sämtliche Investitionen und Sachkosten und sämtliche Personalkosten, auf fiktiv sogenannte 'Nutzer' umverteilen und dabei sogar 'Gewinne erwirtschaftbar' machen will, widerspricht dem verwaltungsrechtlichen Wesen der öffentlich-rechtlichen Gebühr im Rahmen der allgemeinwohlbezogenen und spezifisch wissenschaftlichen Zweckwidmungen des Hochschulbetriebs. Die Hochschule oder Teile von ihr sind, wie erwähnt. nicht wirtschaftlich-unternehmerische Marktsubjekte, sondern dienen - unter rechtlich seit jeher gebotenem sparsamem Mitteleinsatz - ausschließlich der staatlich vorfinanzierten Wissenschaft im engeren, grundgesetzlich-institutionell garantierten Sinne (Art 5 Abs. 3 GG). Sollten an der TU Berlin in der bisher nur angedachten Weise künftig tatsächlich 'Gebühren' oder 'Entgelte' für 'Server'-Leistungen und andere Grunddienste der ZRZ von (fiktiven) 'Nutzern' erhoben werden, so ist es wahrscheinlich, daß sich diese dagegen auf dem Verwaltungsrechtswege wehren werden.

II. Die eventuelle Einrichtung bzw. Aufrechterhaltung besonderer (dezentraler) 'Server' im Fakultätsbereich muß vorrangig nach wissenschaftlichen Aspekten, jedoch auch unter objektivierbarer Überprüfung stattfinden, ob sie nicht insgesamt und unter Berücksichtigung der Optimierbarkeit der vorhandenen ZRZ-Organisation zweckmäßiger - und auch für die gesamte Universität kostengünstiger - zentral vorgenommen werden kann. Sollten künftig - wie dem Autor erscheint, unnötigerweise - der Fakultät und ihren wissenschaftlichen Einheiten Mittel für eine sog. 'eigenverantwortete' Finanzierung von Rechenanlagen und Serverleistungen zur Verfügung gestellt werden, so wäre selbst dann die Zusammenfassung wenigstens einiger dieser Finanzmittel der Fakultät für den zielgerichteten Ausbau der zentralen Dienstrechnerversorgung der TU Berlin ratsam:

Dafür sollte es ggf. ein zeitweiliges Umlageverfahren - aber nur unter entsprechend 'budget'-ausgestatteten wissenschaftlichen Einrichtungen- geben.

Die Heranziehung von Wissenschaftlern ohne Budget dafür bzw. die Erschwerung ihrer elektronischen Arbeitsbedingungen durch untaugliche Abstimmungsprozeduren, und zwar mit der rein fiktiven Begründung, sie 'verbrauchten' als 'Nutzer' Server-Leistungen (statt der Anerkennung, daß sie Leistungen erbringen), wäre mehrfach ungerecht und auch wissenschaftlich absurd.

Begründung:

1) Das genannte DFG-Gutachten empfiehlt zwar (S. 1 ff.) ggf. fakultäts- und institutseigene Rechner-, ggf. auch Server-Strukturen, unter Unmständen sogar proprietäre Formen der Rechnerorganisation, sieht aber (S. 14 ff.) den funktionellen Kern der Versorgung der Hochschulen mit Server-Leistungen und technischen Dienstleistungen nach der vergangenen Anfangsphase der Einführung der Internet-Technologie zunehmend bei den Zentralen Rechenzentren der Hochschulen. Für solche Wissenschaftsgebiete, die eigene 'Server' nicht benötigen, empfiehlt das Gutachten sogar eine optimale 'Rezentralisierung' ihrer Angelegenheiten im Rahmen der Möglichkeiten eines Hochschulrechzentrums. Allerdings setzt dies eine angemessene personelle und sächliche Aussattung des Rechenzentrums voraus.

2) Die ZRZ der TU Berlin kann, wie von dort zu hören ist, wegen Personalknappheit ihre Aufgaben dauerhaft nicht mehr angemessen erfüllen. Statt der gegenwärtig noch 29 Mitarbeiter sind nach dortiger Schätzung 40 Mitarbeiter erforderlich, um das altersbedingte Ausscheiden nicht weniger früherer Mitarbeiter auszugleichen. Alternativvorschläge, die angeblich effektivere und kostengünstigere Organisationsmöglichkeiten innerhalb der Fakultäten betrffen, bedürfen öffentlichrechtlich ferner eines genauen und objektiven Vergleichs der einzelnen Leistungsaspekte: der wissenschaftsgemäßen Einrichtung der Serverleistungen durch sog. 'Anbieter', Kosten des Speicherraums, technische Wartung und Beratung, auch in 'Notfällen', und der Berücksichtigung der dennoch stattfindenden Inanspruchnahme der zentralen Rechnerorganisation der Hochschule bei dezentraler Server-Organisation.

3) Konzepte zur Auflösung bzw. Ersetzung der ZRZ der TU Berlin waren in einer ersten Diskussion des Akademischen Senats im SS 1999 extrem umstritten. Zu einer neuen Diskussion ist es bisher dort nicht gekommen. Die IuK-Kommission beim Präsidenten, aus deren Mitte die fragliche Empfehlung betreffend das 'neue Modell' hervorgegangen ist, ist ein informelles Beratungsorgan des Präsidenten ohne gesetzlich festliegende Aufgaben im Rahmen der akademischen Selbstverwaltung. Ihre Empehlungen haben keinen rechtlich verbindlichen Beschlußcharakter und sind ferner, soweit erkennbar, im konkreten Falle auch nicht in einem förmlichen Beschlußverfahren zustandegekommen. Es liegt daher bisher lediglich eine vorläufige Organisationsordnung des Universitätspräsidenten vor, die das Rechenzentrum zur vorläuig experimentellen Gebührenberechnung verpflichtet.

4) Ob angesichts der derzeitigen Mittelknappheit in den öffentlichen Haushalten ein zeitweiliges Umlageverfahren zur Finanzierung einer Wahrung bzw. eines Ausbaus der ZRZ-Funktionen angemessen ist, hängt primär davon ab, ob das ZRZ in seinen gegenwärtigen und wahrscheinlich auch zukünftigen Funktionen von der Zentralverwaltung ernstgenommen und energisch unterstützt wird. Die offenbar im Hinblick auf eine angeblich 'noch offene' Entwicklung der ZRZ zurückgehaltenen Personalmittel etwa müssen in vollem Umfang zur Verfügung gestellt werden, bevor an irgendwelche zeitweiligen Umlageverfahren im Fakultätsbereich gedacht werden kann. Diese setzen im übrigen ihrerseits verfügbare und rechtlich zulässig für diesen Zweck einsetzbare Mittel auf Fakultätsebene voraus.

III. Folgende Aufgaben, die im Rahmen eines EK-Nutzungskonzepts für die Fakultät I künftig in Angriff genommen bzw.besser organisiert werden sollten, setzen für ihre ungestörte Verwirklichung gebührenlose Server-Dienstleistungen - insbesondere der ZRZ - voraus:

1. die Verwendung von Datenbank- und Datensicherungsservern für anspruchsvolle und umfängliche wissenschaftliche Sammlungs- und Archivierungsprojekte und

2. die Schaffung wissenschaftlich betreuter Bereiche für studentische WWW-Arbeiten.

Begründung:

Die möglichst unbegrenzte und sichere Nutzung größerer Speicherkapazitäten ist für die wirkliche Nutzung der neuen elektronisch-technischen Möglichkeiten für bestimmte geitseswissenschaftliche Vorhaben - etwa im Bereich der Kunstgeschichte, der Kartographie, der Musik oder Linguistik - nützliche oder notwendige Voraussetzung. Für sie ist eine Kooperation etwaiger dezentraler Server mit dem Zentralen Rechenzentrum unvermeidlich.

Die wünschenswerte experimentelle Publikation auch studentischer Arbeiten wissenschaftlichen Charakters im WWW setzt einen universitären Rahmen voraus, der technisch relativ frei nutzbar und nicht durch sachlich unnötige Sparrücksichten eingeschränkt ist, auch wenn er wissenschaftlich überwacht und betreut werden sollte.

Das Zentrale Rechenzentrum ist entsprechend seiner Aufgabbenstellung bereit und prinzipiell auch in der Lage, sich in enger Abstimmung mit den Fakultäten mit seinen Diensten auf derartige wissenschaftliche Bedürfnisse einzustellen. Es bedarf dafür aber eines eingehenden Gedankenaustausches über die genannten oder andere Projekte, der bisher nicht stattgefunden hat, wie zu hören ist.

3. Der Ausbau und die Nutzung elektronischer Dokumentationsmöglichkeiten der Universitätsbibliothek für die universitär zertifizierte und geförderte Publikation wissenschaftlicher Werke von TUB-Angehörigen i. w. S. - über Dissertations- und Habilitationsschriften hinaus -, und zwar unter Einbeziehung bei Bedarf zu bildender Herausgebergremien der Fakultäten, welche den wissenschaftlichen Wert zur universitären Dokumentation vorgesehener Netzpublikationen bestätigen bzw. kritisieren können.

Zur Förderung und 'Approbation' wissenschaftlicher WWW-Publikationen im Rahmen der Universität:

Die Universitätsbibliothek der TUB bietet den Fakultäten, wissenschaftlichen Einrichtungen und einzelnen Wissenschaftlern an der TUB grundsätzlich an, für ihren jeweiligen fachlichen Bereich ein bei der Universitätsbibliothek organisierbares elektronisches Publikationsverfahren zu nutzen. Die Speicherung ist ähnlich gedacht wie die von Dissertations- und Habilitationsschriften. Sie erfolgt auf einem dafür eingerichteten Rechner der ZRZ. Voraussetzung einer Teilnahme an dieser Art prinzipiel vollwertiger wissenschaftlicher Publikation ist,

a) daß die elektronische Publikation auf einem geeigneten, unveränderlichen Datenträger in technisch und formal (möglichst) einwandfreier, vom Autor der Publikation jedenfalls selbst zu verantwortender Weise bei der TU-Bibliothek eingereicht wird,

b) daß der Autor erklärt, alle Urheberrechtsfragen selbst angemessen geprüft und geklärt zu haben und

c) vor allem, daß die eingereichte Publikation eine Art wissenschaftlicher Zertifizierung erhält, deren Verfahren auf unterschiedliche Weise denkbar und noch nicht festgelegt ist.

Von einer geeigneten Zertfizierung hängt es ab, ob wissenschaftliche Publikationen dieser Art, die für ihre Autoren und die Wissenschaft insgesamt eine Vielzahl von Vorteilen bieten können, im Wissenschaftsbetrieb tatsächlich ernstgenommen und entsprechend ihren Vorteilen dann auch intensiv genutzt werden. Allerdings darf eine solche Zertifizierung die Universität nicht das Geringste kosten; dies hat das Präsidium der TU, das das Verfahren generell empfiehlt, in einem Schreiben vom 22. Nov. 2001 (VP Kutzler) ausdrücklich klargestellt.

Die Universitätsbibliothek stellt ihrerseits klar, daß ihr jegliche Mittel personeller und finanzieller Art fehlen, um mehr als bibliothekarische Registrierungsarbeiten für die jeweils eingereichten Datenträger durchzuführen.

Zu dem Gesamtvorgang siehe ggf. die anderen Dokumente unter: http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW/Zum_Projekt/SOzuP5/Material.htm (BIBLIOTHEKSBETREUTE WISSENSCHAFTLICHE INTERNETPUBLIKATIONEN).

2) Ich halte trotz aller finanziellen Begrenzungen - ja gerade ihretwegen - verschiedene produktive Formen der Nutzung dieses Angebotes für möglich, vorausgesetzt, die wissenschaftlich zentrale Zertifizierungsfrage wird angemessen geklärt. Eine von ihnen skizziere ich exemplarisch wie folgt:

Das Institut für 'XYZ' könnte einen Rezensionsausschuß bilden, der auf Antrag eines dem Institut zugehörenden oder nahestehenden Autors in einem schriftlichen Kurzgutachten (3 Seiten; evtl. formalisiert) lediglich zu folgenden Fragen Stellung nimmt:

a) Stammt die Arbeit von einem fachlich hinreichend qualifizierten Autor?

b) Hat sie eine für das angedachte, auf Freiwliilligkeit aller Beteiligten beruhende Rezensionsverfahren angemessene Kürze (von z. B. nicht über 250 Druckseiten)?

c) Enthält sie wirklich wesentliche Mängel, die vor einer Publikation beseitigt werden sollten, selbst wenn der Autor selbst für seine Fehler verantwortlich zu machen ist?

Der Redaktionsausschuß kann und soll die Empfehlung in geeigneter - insbesondere den Autor nicht kompromittierender - Form verweigern, wenn die genannten Bedingungen nicht vorliegen.

Werden sie vom Redaktionsausschuß einvernehmlich bejaht, so soll der Redaktionsausschuß sein Votum der Universitätsbibliothek unmittelbar mitteilen, dabei aber die Maßstäbe, die er angelegt hat, verdeutlichen.

Kann sich der Redaktionausschuß nicht einigen, so wird der Antrag nicht befürwortet, bzw. zurückgestellt. Besteht der Antragsteller auf einer fachkundigeren Entscheidung, so können die streitigen Fragen auch einem einvernehmlich benannten Gutachter zur Stellungnahme vorgelegt werden (dessen Gutachten allerdings nichts kosten darf). Nach Eingang des Gutachtens entscheidet nunmehr der Institutsrat; er kann dabei dem Autor ggf. Empfehlungen zur Verbesserung seines Werks geben.

Welche Maßstäbe angelegt werden, wäre allein vom Institut selbst abhängig. Sind sie zu lasch, nimmt niemand diese Publikationsweise ernst. Sind sie zu streng oder engen den Kreis der Autoren zu stark ein, so droht ebenfalls eine Fehlentwicklung. Interessant ist jedenfalls, daß das Institut über das Profil einer letztlich in seiner eigenen Verantwortung liegenden Publikationsreihe auch eine wissenschaftliche Selbstdarstellung betreiben kann, an der sich jeder dem Institutb angehörige Wissenschaftler, wenn er will - auch ggf. mit schon anderweitig publizierten Arbeiten - beteiligen kann.

4. Die Herstellung einer leistungsfähigen, differenzierten Archivierungsstelle für wissenschaftliche elektronische Publikationen bei der Universitätsbibliothek und deren entsprechende personelle und sächliche Ausstattung. Deren Aufgabe wäre die reine Archivierungs-Speicherung abgeschlossener und autorisierter wissenschaftlicher Werke oder Werkausgaben auf einem geeignet gesicherten und zuverlässig betreuten Datenbank- und Datensicherungs-Server' der ZRZ.

Begründung:

Um Netzpublikationen - als neue und bei entsprechender Gestaltung uneingeschränkt zukunftsweisende Form wissenschaftlich vollwertiger Publikation - auf Dauer sicher zugänglich zu halten und wissenschaftlich zuverlässig zitierbar zu machen, bedarf es einer Archivierungs-Speicherung abgeschlossener und autoriserter wissenschaftlicher Werke oder Werkausgaben auf geeignet gesicherten und zuverlässig betreuten Servern. Solche Diienstrechner sind an der TUB noch nicht eingerichtet. In dieser Hinsicht wird künftig zwar teilweise auf die Leistungen der Deutschen Bibliothek zurückgegriffen werden können, die entsprechende Möglichkeiten hat und seit kurzem bestimmte abgeschlossene und autorisierte Netzpublikationen - darunter die des Autors - archiviert und teilweise sogar über das Internet direkt zugänglich macht. Doch wird ein großer Teil wissenschaftlich wertvoller und förderungswürdiger Netzpublikattionen dort in absehbarer Zeit noch nicht Aufnahme finden können. Die Universitätsbibliothel der TU Berlin ist daher der angemessene Platz für die 'einstweilen verbleibende' Archivierungsaufgabe. Zu diesem Zweck muß ein gewisser zusätzlicher Personal- und Mitteleinatz bei der Universitätsbibliothek berücksichtigt werden.

Das erwähnte DFG-Gutachten (S. 17 f.) empfiehlt einen angemessenen Mitteleinsatz für diesen Zweck.

Christian Gizewski


Dr. Christian Gizewski
Professor für Alte Geschichte

an der Fakultät I - Geisteswissenschaften -
der Technischen Universität Berlin,
Privatadresse: Tietzenweg 98, 12203 Berlin,
TEL, AB und FAX: 030/8337810,
EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de ,
WWW-Seite: http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW.

Wer zu den hier vorgetragenen Vorschlägen Stellung nehmen will, kann dies nach Absprache mit dem Autor gern in knapper und sachbezogener Weise auf dem hier bis auf weiteres eigens dafür bereitgestellten

FORUM

tun.

Wer ferner Interesse daran hat, in einem lockeren Verbund betroffener Wissenschaftler an gelegentlichen Aktionen für die Entwicklung einer dezidiert wissenschaftsgemäßen Ordnung für elektronische Kommunikation und Publikation an der TU Berlin mitzuwirken, möge sich ebenfalls beim Autor melden. Ich sammle einstweilen Adressen und Vorschläge, sehe mich allerdings - wie vermutlich jeder andere auch - außerstande, größere Organisationsarbeit zu übernehmen. Ich bin lediglich initiativ tätig.

Christian Gizewski, 4. Juni 2002

Verantwortlich für die redaktionelle Gestaltung aller Mitteilungen im Rahmen der WWW-Seite [http://www.tu-berlin.de/fb1/AGiW]: C. Gizewski, EP: gizeoebg@linux.zrz.tu-berlin.de.